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Das Wort zum Sonntag – Gedanken und Impulse zum Wochenende

Pastor Ullrich Birkner

„Gott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt“. Natürlich ist der Spruch wahr, doch trotzdem scheint in unserer Welt den Menschen nichts wichtiger zu sein als die Eile. Gelassenheit ist im Alltag offenbar etwas, was man sich nicht leisten kann.

Schon Michael Ende ließ in seinem Roman „Momo“ dem entspannt arbeitenden Frisör durch einen grauen Herrn vorrechnen, dass er nicht eine Sekunde Zeit gespart, sondern diese komplett verbraucht hatte, worauf der begann (eine Zeit lang) schneller und effektiver zu arbeiten. Leider lässt der Alltag aber oft eine entspannte und gelassene Arbeitsweise nicht zu. Trotzdem sehnen sich die Menschen danach und finden auch Wege, diese zu genießen. Ich denke, diese Suche ist mit ein Grund, warum Wandern und Pilgern in den letzten Jahren einen solchen Boom erleben. Den Menschen kommt es dabei nicht darauf an, ein bestimmtes Ziel, einen Wallfahrtsort o.ä. zu erreichen, denn das wäre mit Auto, Bus, Bahn oder Flugzeug deutlich schneller zu schaffen. Das langsame Unterwegssein ist das Ziel. Auch das Alleinsein auf dem Weg, seinen Gedanken nachgehen können. Für viele Jakobspilger endet der schönste Teil des Weges schon 100 km vor Santiago, weil ab diesem Punkt im Sommer große Menschenmassen dem Apostelgrab entgegengehen. Auf den Etappen davor ist es ruhiger.

Wer die Evangelien auf Entspannung und Gelassenheit hin durchsucht, wird schnell merken, dass Jesus diese Ruhe selbst für die damalige Zeit in besonderer Weise an den Tag legte. Als Beispiel sei die Stelle genannt, wo Jesus vom Synagogenvorsteher gebeten wird, seine todkranke Tochter zu heilen. Auf dem Weg zum Haus wird Jesus von der blutflüssigen Frau berührt und bleibt stehen, um zu fragen, wer ihn berührt hat und dann auch noch der Frau ein ermutigendes Wort zu sagen. In der Zwischenzeit trifft die Nachricht vom Tod des Mädchens ein. Doch Jesus bleibt auch da ganz cool, geht einfach weiter und erweckt das Kind wieder zum Leben. Er ruhte eben ganz in sich und größere Eile hätte an all dem nichts geändert. Im Gegenteil: Vielleicht ist es wirklich so, dass man durch die Hektik mehr und mehr „außer sich“ ist und ganz dringend Zeiten braucht, wo es langsamer zugeht, damit man wieder „zu sich“ kommt. Und das geht am besten in Schrittgeschwindigkeit.

Einen entspannten Sonntag(-sspaziergang) wünscht Ihnen

Ullrich Birkner, Bad Fredeburg, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe