Du sollst ein Segen sein!

„Gott ist Liebe.“ Das kommt uns Christen so leicht über die Lippen. Aber ist uns eigentlich bewusst was es bedeutet, wenn wir das sagen? Nein, ich meine nicht die Rede vom „lieben Gott“ – vielleicht noch in Abgrenzung zum „bösen Gott“ der „anderen“.

Sondern: wenn Gott Liebe ist – ist er oder sie dann auch meine Liebe? Oder zumindest in meiner Liebe? In meiner Liebe zu einem anderen Menschen. In meiner Liebe zur Natur. In meiner Liebe zu Dingen, die ich gerne tue, die mir wichtig sind, zu meinem Beruf?

Ich glaube, es geht noch tiefer. Ist Gott dann nicht auch in allem, was mir lieb ist? Der Mensch, den ich liebe – Ebenbild Gottes. Die Natur – wunderbare Schöpfung Gottes. Meine Fähigkeiten und Begabungen – Geschenke Gottes. Meine Gedanken, Gefühle, Ideen, Sehnsüchte und Bedürfnisse – erfüllt von Gottes Geist. Ist das nicht eine wundervolle Vorstellung?

Denn dann könnte ich ja auch die Welt ganz anders sehen. Nicht nur als Werk Gottes – sondern vielleicht sogar mit seinen Augen. Mit seinen Augen, die Liebe sind, mit seinen verliebten Augen.

Ja, auch den Menschen, der mich gerade nervt, diese Situation, die mich müde und wütend macht, all das, was mir nicht gelingt, mich selbst mit all meinen Fehlern und Macken. „Gott ist Liebe.“

Vielleicht kann das ja auch ein Ansatzpunkt sein nicht nur gegen das viele Bedrückende und Zermürbende in gerade dieser Zeit, gegen manche Wut und Enttäuschung, gegen Hass und Ungerechtigkeit. Nicht, um das klein- oder sogar wegzureden. Im Gegenteil: um es mit Augen der Liebe zu sehen und damit umzugestalten, neu anzugehen. Verliebten sagt man nach, dass sie alles durch die rosarote Brille sehen. Das ist es nicht. Aber vielleicht die Brille mit dem Blick Gottes? Vielleicht spüre ich dann auch die Schmetterlinge im Bauch und nicht nur Groll und Ärger? „Seht, welche Liebe uns Gott geschenkt hat: Wir sind Kinder Gottes!“ (nach 1 Joh 3,1 im katholischen Gottesdienst an diesem Sonntag.) Und ja: wir alle! Und uns allen gilt Gottes Segen: „Mein geliebtes Kind! Ich will dich segnen – und du sollst ein Segen sein!“

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünsche ich Ihnen, bleiben Sie behütet und hoffnungsfroh!

Guido Hügen OSB, Abtei Königsmünster