Treu im Bunde mit Gott

18. Juni 2022
Wort zum Sonntag

In diesen Tagen ziehen Prozessionen durch die Straßen unserer Gemeinden. Mit feierlichem Gesang und Blasmusik, mit vielen Messdienern und Fahnen, jungen und alten Menschen begleiten wir den als Brot des Lebens unter uns anwesenden Herrn Jesus Christus. Die Mitfeiernden zeigen auf diese Weise allen Menschen: Gott ist mitten unter uns, er lebt mit uns und ist das Brot unseres Lebens. Wenn Menschen an einer solchen Prozession teilnehmen, dann können sie es heute ohne Gefahr für Leib und Leben tun. Vielleicht wird man von dem ein oder anderen, der am Wegesrand oder am Fenster steht, belächelt. Aber ernsthafte Folgen hat eine Beteiligung an der Prozession nicht. Das war einmal anders. Ein Beispiel dafür, was die Ausübung der Religion kosten kann, ist Vikar Otto Günnewich, der als Vikar in Niedersalwey bei Eslohe tätig war und vor 120 Jahren in Lügde geboren wurde.

Nach der Durchführung der Fronleichnamsprozession wurde er in „Schutzhaft“ nach Dortmund ins Gefängnis, später in das KZ-Dachau gebracht und am 10. August 1942 vergast. Die älteren Gemeindemitglieder in Niedersalwey können sich noch gut an ihn und sein Wirken erinnern.  Vor der Kirche steht ein Denkmal und im Vorraum der Kirche hängt eine Gedenktafel, welche die Aufschrift tragen: „Treu im Bunde mit Gott“. Vikar Günnewich, so haben seine Gemeindemitglieder sein seelsorgliches Wirken verstanden, hat Zeugnis für Christus abgelegt. Sein 80. Todestag in diesem Jahr kann uns ein Beispiel des Glaubens, aber auch eine Mahnung dafür sein, dass Meinungs- und Religionsfreiheit wertvolle und hohe Güter sind.

Meinungs- und Religionsfreiheit genießen nicht alle Menschen auf der Welt. Sie gehören zu den Menschenrechten. Sie zu schützen und zu verteidigen ist zu allen Zeiten eine wichtige Aufgabe. In Dankbarkeit sollten wir aller gedenken, die hohe persönliche Opfer für Glaubens- und Meinungsfreiheit gebracht haben und auch heute noch bringen.

Ludger Vornholz, Eslohe, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe