Traumvorstellung

26. Juni 2021
Eslohe
Wort zum Sonntag

 

 

 „Wenn’s am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet.“ So lautet eine der vielen Bauernregeln zum Siebenschläfertag, der seit Jahrhunderten am 27. Juni begangen wird. Der Name des Tages kommt dabei nicht vom gleichnamigen niedlichen Nagetier, sondern von einer weitgehend unbekannten christlichen Legende.

Diese geht zurück auf die Verfolgung von sieben Gläubigen, die sich in einer Höhle bei Ephesus vor dem römischen Kaiser Decius versteckt hielten. Sie hatten sich gegen den Willen des Kaisers anstelle der heidnischen Götter zu ihrem einzigen Gott bekannt. Nachdem die Sieben geflohen waren, ließ Decius nach ihnen suchen und als er sie ausfindig machen konnte, wollte er sie lebendig begraben und ließ die Höhle dafür mit vielen Steinen versperren. Gott wachte jedoch über die Gläubigen und versetzte sie in einen langen Schlaf, der über fast zweihundert Jahre andauerte. Als die Sieben schließlich nach all der Zeit wiederentdeckt wurden und erwachten, war ein anderer Machthaber tätig und die Christenverfolgung beendet. Überwältigt von der Geschichte ließ der neue Kaiser über der Höhle eine Kirche errichten.

Die Geschichte klingt fast wie die christliche Form von Dornröschen oder Schneewittchen, aus der die frohe Botschaft der Auferstehung spricht: Was nach dem endgültigen Tod aussieht, ist doch wie ein langer Schlaf, nur der Übergang in ein neues, schönes Leben bei Gott.

Zwei Jahrhunderte schlafen. Das finde ich eine interessante Überlegung. Stellen Sie sich vor, Sie schlafen im Jahr 2021 ein und wachen im Jahr 2221 wieder auf:

Was hat sich bis dahin zum Guten entwickelt?

Welches Übel gibt es nicht mehr?

Wie sieht dann nach Ihren Wünschen die Welt aus und was macht unser gesellschaftliches Zusammenleben aus?

Wie hat sich die Kirche entwickelt und wie werden wir dann unseren Glauben leben und teilen?

 

Es wäre jetzt spannend, in Ihre Köpfe schauen zu können oder sich darüber auszutauschen, welche Bilder und Ideen Sie für die Zukunft haben. Ich merke, dass ich persönlich eher ein ungeduldiger Mensch bin. Daher bin ich froh, dass wir keine zweihundert Jahre warten müssen, sondern schon jetzt beginnen können, kleine erste Schritte zu tun, um die Welt von heute unserer Zukunftsvorstellung anzunähern.

 

Frei nach dem Gebet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit,

das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Da wir das Wetter hinzunehmen haben, wie es kommt, wünsche ich Ihnen warme Sonnenstrahlen für den Siebenschläfertag, denn so ist es ja auch überliefert: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“

 

Eine gesegnete Woche wünscht Manuel Kenter,
Gemeindereferent im Pastoralen Raum Schmallenberg-Eslohe