Sankt Martin  Gedenktag 11. November

11. November 2021
Meschede
Teilen und Schöpfungsverantwortung

Der 11. November erinnert an Martin von Tours, besser bekannt als Sankt Martin. Martin wurde um das Jahr 316 in Sabaria, im heutigen Ungarn, als Sohn eines römischen Offiziers geboren. Auf Wunsch seines Vaters trat er in die römische Armee ein. Als er im Winter 334 im französischen Amiens stationiert war und dort am Stadttor einem frierenden Bettler begegnete, teilte er aus Mitleid seinen Militärmantel mit ihm, um ihn zu wärmen. In der darauffolgenden Nacht erschien in Martins Traum Jesus Christus und offenbarte sich ihm als der Bettler. Diese Begegnung markierte einen Wendepunkt in Martins Leben. Er quittierte den Militärdienst und ließ sich mit 18 Jahren taufen. Nach einigen Jahren als Mönch wurde er im Jahr 371 zum Bischof von Tours geweiht. Das Bild des Soldaten, der mit seinem Schwert seinen Mantel teilt, um einen frierenden Bettler zu wärmen, prägt bis heute Generationen von Kindern und trägt zu ihrer christlichen Sozialisation bei. Wie kaum ein anderer steht der Heilige Martin für die barmherzige Zuwendung gegenüber den Ärmsten und Schwächsten.

Auch Papst Franziskus verehrt den Bischof von Tours, ist Martin doch Patron der Stadt Buenos Aires und der gleichnamigen Diözese, der er als Bischof von 1989 bis zu seiner Papstwahl 2013 vorstand. Mit seiner Enzyklika „Laudato si‘ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ruft der Papst die gesamte Weltgemeinschaft zum Teilen der begrenzten Ressourcen unseres Planeten und zum verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung auf. Die Folgelasten der Ausbeutung der Erde, und des damit einhergehenden Klimawandels, würden vor allem auf die Menschen in armen Ländern, die selbst am wenigsten dazu beigetragen haben, abgewälzt.

Sechs Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens, bei dem sich die Industrie- und Entwicklungsländer darauf einigten, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen, soll bei der ab Ende Oktober 2021 im schottischen Glasgow stattfindenden UN-Klimakonferenz versucht werden, dieses Ziel noch einzuhalten. Wie die Vereinten Nationen bilanzierten, steuern die Staaten aktuell auf eine 2,7 Grad Erwärmung zu, wodurch die entscheidenden Marken bereits in den 2030er-Jahren überschritten werden könnten. Die Folgen wie extreme Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Hungersnöte treffen vor allem die ärmsten und verwundbarsten Länder wie Afrika und verursachen massive Flüchtlingsströme.

Angesichts der Klimakrise hat Papst Franziskus kurz vor Beginn des UN-Klimagipfels vor einer „unbewohnbaren Welt“ gewarnt und „radikale Entscheidungen“ gefordert. Die Industrienationen, als Hauptverursacher des Klimawandels, haben sich ab dem Jahr 2020 verpflichtet, 100 Milliarden Dollar im Jahr zur Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung zu stellen. Der Klimawandel und die Covid-19-Pandemie hätten eine tiefe Verletzbarkeit und zahlreiche Zweifel an den Wirtschaftssystemen und der Gesellschaft enthüllt, so Franziskus. Die Finanzierung der Bekämpfung der Klimakrise wird daher auch als eine Frage der Gerechtigkeit und der Solidarität wahrgenommen.

Auch der private Konsum in den Wohlstandsländern ist für einen erheblichen Anteil des Rohstoffs- und Energieverbrauchs sowie für die Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein nachhaltiger Lebensstil setzt jedoch voraus, dass ein gutes Leben nicht allein über den materiellen Konsum definiert wird, sondern auch Momente der Genügsamkeit als wertvoll anerkennt. Die begrenzten Ressourcen des Planeten nicht gegenwärtig vollständig zu erschöpfen, sondern solidarisch und nachhaltig damit umzugehen, bedeutet, ganz im Sinne von Sankt Martin, auch ein „Teilen“. So kann der Gedenktag des Heiligen und seine Geste der Nächstenliebe Erinnerung und Aufforderung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung sein und dafür, neue Lebensweisen einzunehmen.

 

Schöne Geschichten, Lieder, Rezepte und Bastelanleitungen zur Gestaltung des Martinsfestes finden sich auf der Homepage des Erzbistums Paderborn.

Auch katholisch.de hat die Aktualität von St. Martin beleuchtet:  heute vom heiligen Martin lernen

 

 

(Text: Barbara Rickert)