Wählen bedeutet Freiheit und Verantwortung

25. September 2021
Wort zum Sonntag

An diesem Wochenende ist Bundestagswahl und ich frage mich, wie es Ihnen damit geht… Wissen Sie schon, wo Sie am Sonntag ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen? Ich kenne viele Menschen, die sich dieses Mal besonders schwer mit der Entscheidung tun, wem sie ihre Stimme geben.

Bei all den Wahlprogrammen, Veranstaltungen und möglichen Koalitionen ist es nicht so leicht, den Überblick zu behalten und zu entscheiden, welcher Person oder Partei und welchen Ideen und Konzepten ich zustimmen möchte. Es ist ein großes Geschenk und Privileg, dass wir in einem demokratischen Staat leben, in dem wir frei wählen können. Für viele Menschen auf der Welt ist das keine Selbstverständlichkeit.

Wählen können bedeutet einerseits Freiheit, aber eben auch Verantwortung. Das ist nicht nur bei der Bundestagswahl so. Wählen und sich entscheiden müssen, das begegnet uns im Alltag in den kleinen und großen Fragen unseres Lebens immer wieder. Da ist es gut, sich zu fragen, welche Werte und Haltungen mich in meinen Entscheidungen leiten. Sind es die ganz egoistischen Wünsche, die zu Macht, Einfluss und Reichtum führen sollen, oder gibt es in meinen Entscheidungen auch den „Blick über den eigenen Tellerrand“ auf die Menschen, mit denen ich in der nahen und auch in der ganz fernen Weltgemeinschaft lebe.

Dabei lohnt es sich für uns Christen immer wieder, den Blick auf das Programm Jesu zu richten! Sein Handeln und seine Entscheidungen waren geprägt von dem liebevollen Blick auf den einzelnen Menschen, auf seine Nöte und Bedürfnisse. Besondere Aufmerksamkeit fanden bei Jesus die Armen und Schwachen, die Menschen am Rand der Gesellschaft. Die Stolzen und Herrschenden ernteten auch schon mal klare, richtungsweisende Worte.

Leben in Fülle – für jeden Menschen, das ist das Programm Jesu für uns. Es ist gut, wenn wir uns auch als Kirche mit allen Fragen, die da zurzeit im Raum stehen, an den Worten und dem Handeln Jesu orientieren.

Mir persönlich hilft es, mich immer wieder daran auszurichten und dabei zu erfahren, dass ich in meinen großen und kleinen Entscheidungen von Gott begleitet und auf meinem Weg nicht allein unterwegs bin. Dazu gibt es ein schönes Wort aus der jüdischen Weisheitsliteratur: „Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gute Wahl – Sonntag und Gottes Weg – Begleitung und Segen für Ihre ganz persönlichen Entscheidungsprozesse.

Roswitha Gadermann, Gemeindereferentin und Krankenhausseelsorgerin im Pastoralen Raum Meschede-Bestwig