Heilen und verwandeln im Vertrauen auf die Nähe Jesu

Menschen, die nachfragen und die sich nicht mit halbherzigen Antworten zufriedengeben, sind mir seit jeher sympathisch. Auch wenn im kirchlichen Bereich manchmal Zweifel und gar kritische Diskussion vorschnell als Unglaube ausgelegt werden. Selbst habe ich so manches Gespräch als sehr wertvoll erlebt, wenn ich mit meinem Gegenüber gemeinsam versucht habe, Glaubens- und Lebensfragen auf den „Grund“ zu gehen und sie in all ihren Facetten im wahrsten Sinne des Wortes zu „begreifen“: Gibt es einen Sinn hinter diesem Geschehen? Ist mir Gott in all meinem Suchen wirklich nah?  Was schenkt Hoffnung und lässt mich nach dieser schmerzlichen Erfahrung weitergehen? Gibt es ein Leben nach dem Tod und werde auch ich auferstehen? …

Deshalb ist mir wahrscheinlich auch der „ungläubige Thomas“ so vertraut, dessen Begegnung mit dem auferstandenen Jesus im Sonntagsevangelium geschildert wird. Gewissermaßen als „Zeitzeuge“ darf er seinem gekreuzigten Weg-Gefährten die Finger in die Seitenwunde legen und er spürt in diesem Moment, weniger mit dem Kopf als mit dem Herzen: Der Gekreuzigte und der Auferstandene sind eins – dieser Jesus  ist mir auch nach seinem Tod nah, er ist immer noch da in meiner Lebens-Mitte und in der Mitte von Menschen, die die Sehnsucht nach ihm teilen. Dieser Jesus lebt und er ist immer noch spürbar in den Herzen und im Handeln seiner Jüngerinnen und Jünger. Und diese Botschaft des Evangeliums ist bis heute eine Herausforderung, aber auch eine Ermutigung: Christinnen und Christen sollten die Verwundungen des Lebens nicht verdrängen, im Gegenteil sie sollten auf Scheitern, Leid  und Schmerz und die Ursachen dafür hinweisen – gewissermaßen ihre Finger in die Wunden der Zeit legen, auch die Wunden der Kirche. Wie können wir tröstend und heilend mit all den kleinen und großen Traurigkeiten umgehen und im Vertrauen auf die Nähe Jesu für Verwandlung sorgen…

Vielleicht entwickeln Erstkommunionfamilien mit Gottesdiensten und kleiner Gästeschar einen besonders guten Zusammenhalt in diesen Wochen… Vielleicht entscheiden sich Frauen und Männer, dass sie – auch wenn es nicht leicht ist – weiterhin Verantwortung übernehmen für das religiöse Leben in unseren Gemeinden … Vielleicht entstehen an der ein oder anderen Stelle neue motivierende Initiativen zur Weitergabe des Glaubens, die auch in Pandemie-Zeiten Hoffnung schenken …

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Bernadette Klens, Eslohe, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe