Dreikönigssingen und Schuhcreme

9. Januar 2021
Meschede
Wort zum Sonntag

Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit als Sternsinger: Das letzte Mal vor über 20 Jahren, ausgerüstet mit Stern, Weihrauch, Spendendose, Kreide und schweren Kleidern, gingen wir von Haus zu Haus.

Damals musste es immer jemanden geben, dessen Gesicht schwarz angemalt wurde – am einfachsten ging das mit Schuhcreme – eine ziemlich ekelige Sache, wenn man sie in den Mund bekam. Wir haben es irgendwann nicht mehr gemacht – zum Glück!

Heute wird wieder diskutiert: Darf man Kindern das Gesicht schwarz anmalen? Klar, heute gibt es hautverträgliche Schminke, warum wird da diskutiert? Es geht um das sogenannte „Blackfacing“, die abwertende Darstellung dunkelhäutiger Menschen, ein Trend auf Jahrmärkten im letzten Jahrhundert.

In der Bibel heißt es: „Die Könige von Tharsis werden Geschenke opfern; die Könige von Arabien und Saba werden Gaben darbringen… (Psalm 72,10).“ Dort wird kein Wort über die Hautfarbe verloren.

Ich glaube, genau das zeigt eine gute Einstellung: Es geht nicht drum, wie wir aussehen – wir sind alle verschieden, ob im Aussehen oder im Charakter. Vielmehr geht es um die Gaben selbst und um Gutes zu tun.

Aber noch einmal zurück zur Schuhcreme: Ich hatte damals noch wenig Bewusstsein hinter dem Thema von „Blackfacing“: Das rassistische Herabsetzen anderer Menschen. Daher kann es gut sein, dass ich genau das getan hab, indem ich mich über meine Kollegen lustig gemacht habe.

Das ist bei mir heute zum Glück anders, auch wenn es ein fortwährender Prozess ist: Ich möchte in den Blick nehmen, wie ich andere Menschen betrachte und ihnen begegne.

Lassen Sie uns im Jahr 2021 bewusster damit umgehen, wie wir über andere reden: Bin ich wertschätzend oder abwertend? Bin ich achtsam oder verletzend? Bin ich respektvoll oder selbstgefällig? Habe ich Vorurteile oder bin ich aufgeschlossen neugierig? Vertraue oder verachte ich?

Ich wünsche Ihnen ein wertschätzendes, achtsames, respektvolles, aufgeschlossenes, vertrauensvolles Jahr 2021!

Christopher König, Referent für Jugend und Familie im Dekanat Hochsauerland-Mitte

 

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