Uneinigkeit schwächt

5. Juni 2021
Wormbach
Wort zum Sonntag

Wir spüren es an uns selbst, wenn wir uneins mit uns selbst sind, fällt es uns schwer z.B. gesund zu leben. Wenn ich abnehmen oder mir das Rauchen abgewöhnen will, dann wird es für mich leichter, wenn ich mit mir in dieser Entscheidung ganz eins bin und nicht unsicher auf die Zigaretten oder die Torte blicke. So wird schnell einmal aus kein Mal und auf einem Bein raucht es sich nicht so gut und Torten schmecken am Besten in der vollendeten Zahl von drei Stück. Bin ich mir aber meiner selbst gewiss, bleibt es bei dem „kein Mal“ ohne einmal. Kurz gesagt, dann fällt es mir leichter, konsequent zu sein.

Im Gemeinschaftsleben eins zu sein, ist da noch schwieriger. So wie ich mit mir selbst nicht unbedingt einer Meinung bin, sind die Meinungen in der Familie schon vielfältiger und in der Nachbarschaft noch mehr und im Dorf erst recht. Das muss ja auch so sein, wir sind ja auch verschieden so ist z. B. jeder in anderen Verhältnissen groß geworden und bringt andere Begabungen mit. Bei aller Unterschiedlichkeit kann es aber dennoch zu einer Einigung kommen, wenn alle mit einem gemeinsamen Beschluss oder zumindest Kompromiss leben können. Das aber wird zunehmend schwerer.

Ein Blick in die Bibel zeigt, dass Jesus dieses Problem kennt. Ein Reich oder eine Gemeinschaft, die mit sich uneins ist, haben keinen Bestand. „Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.“ (Mk 3,25) Und das ist für Jesus keine Theorie; kurz nach dem er das gesagt hat, steht seine eigene Familie vor der Tür, um ihn heim zu holen „denn sie sagten: Er ist von Sinnen.“ Hier macht Jesus die schmerzvolle Erfahrung, dass mit einem Etikett versehen („Er ist von Sinnen“) kein Gespräch mehr möglich ist und nur noch Gewalt. Haben die Verwandten von Jesus ihn wirklich verstehen wollen? Vermutlich nicht. Denn wer sich auf Jesus einlässt, hinterfragt seinen Standpunkt oder seinen Lebensstil, um zu einem besseren Leben der Gemeinschaft beitragen zu können. „Gott lieben über alles und den Nächsten lieben wie sich selbst.“ Allein dieses Gebot ändert mich Tag für Tag. Will ich das? Gott lieben? Oder gar den Nächstbesten, der vor meiner Haustür steht?

Jesus schaut seine Jüngerinnen und Jünger an. Er versteht Familie als gemeinsames Handeln oder zumindest ein gemeinsames Ziel im Handeln: Als seine Familie vor der Tür steht, schaut er seine Jüngerinnen und Jünger an (ich fühle für mich eine Aufforderung in diesem Blick) und sagt: „Wer den Willen meines Vaters tut, ist für mich Schwester und Bruder …!“ Lassen wir die Etikettierungen des anderen doch weg, denn gemeinsames Handeln hilft uns zu einem guten Leben in der Gesellschaft und mit der Natur.  Zumindest das gemeinsame Ziel, dass es allen gut geht in der Gesellschaft und mit Gottes Schöpfung, hilft uns zu einem gesunden Miteinander.

 Erik Richter, Wormbach, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe