Wort zum Sonntag

Wunder oder Zusammenhalt?

Stephanie Kaiser
© St. Kaiser

29. März 2020: Was gibt es in diesen Tagen zu Corona bzw. Covid 19 noch Neues aus Laiensicht zu schreiben? Die steigende Zahl der Erkrankten, Statistiken, die Schließung verschiedener Einrichtungen und viel Geduld und Abstand beim Einkaufen. Und doch gewöhne ich mich so langsam an die anderen Umstände. An das Lernen mit den Kindern zu Hause, Telefonate mit Menschen, die man sonst persönlich vor sich hat und eine anders organisierte Arbeitswelt – irgendwie ein mittlerweile lebbares Wirrwarr.

In dieses Chaos hinein lesen wir am Sonntag ein Evangelium, in dem Jesus einen Toten wieder zum Leben erweckt – ein Wunder wirkt?! Wie viele von uns würden sich das nicht gerade in der jetzigen Situation auch wünschen – ein Wunder?

Bei genauerer Betrachtung der Evangelien-Verse von Johannes (Joh 11,1-45) ist die Erzählung, in der Jesus vom Tod seines Freundes Lazarus erfährt, mehr als ein weiteres Wunder, das seine Göttlichkeit beweist. Es ist die Auseinandersetzung mit Emotionen, mit Leid, dem Tod und dem Leben.

Da sind die Schwestern Maria und Martha und auch die Juden, die um den erkrankten und verstorbenen Lazarus weinen. Selbst Jesus zeigt verschiedene Emotionen, es heißt, er ist „im Innersten erregt und erschüttert“ (V 33), zwei Verse später weint Jesus sogar und zeigt seine mitfühlende, menschliche Seite. Durch diese Emotionen kommt die Beziehung der Betroffenen zum Ausdruck. Maria, Martha, Lazarus und Jesus waren (gute) Freunde. Auch die Jünger kennen die Geschwister. Sie stehen zueinander in Beziehung, sie glauben aneinander, sind besorgt um den anderen und leiden miteinander, und besonders Jesus leidet mit. Zusammenhalt und Mitgefühl – starke Emotionen dieser biblischen Geschichte.

Zusammenhalt und Mitgefühl sind auch das, was mich im derzeitigen Wirrwarr hoffen und positiv denken lässt. Hoffen darauf, dass sich die Menschen an die Kontaktsperre halten. Dass sie durch den nötigen Abstand andere Menschen schützen. Dass die Besuchsverbote in Krankenhäusern und Altenheimen die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Den Zusammenhalt spüre ich durch die Aktionen in den Sozialen Medien. Ob es die „Alles wird gut – Regenbogenmalaktion“ ist, das gemeinsame Musizieren der Ode an die Freude oder brennende Kerzen im Fenster zum Glockengeläut abends um 19.30 Uhr. Zeichen der Hoffnung und der Solidarität. Miteinander und Mitgefühl in Zeiten von Abstand und Isolierung. Ich weiß nicht, ob Sie auf ein Wunder hoffen, ich glaube auf jeden Fall fest an Solidarität und Zusammenhalt! Bleiben Sie gesund und füreinander da.

Stephanie Kaiser, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Meschede-Bestwig