Wort zum Sonntag

Den Moment genießen …

Pastor Ullrich Birkner

1. März 2020: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Das hat Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph, im 19. Jahrhundert gesagt. Hat er recht? Ich finde, je nach Situation kann das ganz unterschiedlich sein. In den meisten Fällen aber stimmt es wohl. Wenn ich anfange mich mit anderen zu vergleichen, dann entdecke ich oft sehr schnell etwas, was andere mehr haben, besser können, großartiger machen, schöner hinkriegen. Und das eigene, was mich kurz zuvor noch glücklich gemacht hat, kommt mir auf einmal total zweitklassig vor. Damit fängt die Unzufriedenheit an, die sich bei jeder Wiederholung dieses Gefühl mehr und mehr zu Frust, Verzweiflung und Wut steigern kann.

Kann das Vergleichen denn auch das Gegenteil bewirken? Wohl kaum. Diejenigen, die sich im Vergleich mit anderen immer als etwas Besseres sehen, sind wohl schlicht überheblich. Aber der Satz von Kierkegaard kann auch nur ein bisschen stimmen. Vergleiche ich meine vielleicht eher schlechte Lebenssituation mit der von Menschen, denen es noch schlechter geht als mir, kann mir das zeigen, dass ich doch etwas zufriedener sein sollte. Geht es mir gut, dann bedeutet der Blick auf die, denen es schlechter geht, nicht unbedingt das Ende meines Glücks. Zufrieden machen sollte vor allem uns als Christen diese Einsicht aber auch nicht. Das Vergleichen mit anderen kann mich auch weiterbringen oder neue Einsichten eröffnen, wie z.B. bei einem sportlichen Vergleich. Sich mit anderen zu vergleichen, liegt wohl irgendwie in der Natur des Menschen.

Aber wir können die Unzufriedenheit aber auch dadurch hervorbringen, in dem wir uns mit uns selbst vergleichen, nämlich wenn wir unser Tun mit unseren Ansprüchen vergleichen. Ich nehme mir etwas vor und stecke mir ein Ziel. „Bis zum Ende des Monats soviel abnehmen. Bis zum Ende des Jahres diese Strecke in der Zeit laufen.“ Statt also glücklich zu sein, wenn man überhaupt abnimmt oder sich am Laufen zu freuen, frustrieren wir uns selbst durch den Vergleich mit den zu hohen Zielen.

Ähnliches gilt auch für die Fastenzeit. Wer sich am Aschermittwoch vornimmt, die nächsten 6 Wochen auf Süßigkeiten, Alkohol oder zu viel Handynutzung zu verzichten, kann meist dann schon die Tage im Kalender sehen, wo es damit schwierig werden wird. Wer den Moment genießt, wo etwas gelungen ist – sei es aktiv oder im Verzichten auf etwas – erlebt mehr Glücksmomente, als der, der nur am Ende Bilanz zieht. In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen einen unvergleichlichen Sonntag.

Ullrich Birkner, Bad Fredeburg, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg- Eslohe