Wort zum Sonntag

Wer unterm Schutz des Höchsten steht …

Sabine Jasperneite

Sind Sie schon einmal von einem Regenschauer überrascht worden? Es schüttet wie aus Kübeln, man sieht nicht mehr weit und die Straßen füllen sich mit Wasser?

Bestimmt hat schon jeder und jede von Ihnen diese Erfahrung gemacht. Was haben Sie getan? In den seltensten Fällen laufen wir auf die Straße, Wiese oder in den Garten und tanzen.

Jedenfalls habe ich dies noch nie gesehen bzw. auch noch nicht selber getan. Die menschliche Reaktion auf so ein Unwetter ist das Unterstellen. Wir suchen Schutz, suchen uns irgendeinen Platz, wo wir stehen können bis das Schlimmste vorbei ist. Vielleicht müssen wir auch mal durch den Regen laufen, aber dann nicht, um zu tanzen, sondern um zu einer anderen trockenen Stelle zu kommen.

Mir geht es so ähnlich mit der Corona-Pandemie. Sie fühlt sich an wie ein nicht enden wollender Regenschauer, durch den ich durch muss, vor dem ich mich aber am liebsten verbergen will, bis er vorüber ist. Trotz allem selbst anspornen, mir Mut zusprechen und mich anzufeuern weiterzugehen, will ich manchmal einfach nur Schutz und Ruhe.

Kennen Sie das schöne Bild der Schutzmantel-Madonna? In Wormbach im Turm der Kirche steht für mich eine der schönsten Darstellungen. Es ist eine Nachbildung der Ravensburger Schutzmantelmadonna, deren Original im Bode-Museum in Berlin steht. Als ich sie das erste Mal gesehen habe, konnte ich mir sofort vorstellen, mich gedanklich mit unter diesen Mantel zu stellen. Die Art und Weise, wie Marias Gesicht dort dargestellt wird, gibt mir das Vertrauen: Unter diesem Mantel bist du sicher.

Auch für Gott haben die Menschen, deren Erfahrungen wir in der Bibel, besonders in den Psalmen, lesen können, solche Bilder gefunden: Meine Burg, mein Schild, mein Schirm, der Flügel, unter dem ich geborgen bin, der Hirte, der mich behütet vor allem Bösen.

In diesen dunklen Tagen des Novembers und noch mehr in diesen dunklen Tagen des Novembers mit Corona-Pandemie geben mir diese Worte sehr viel Trost. Ich kann mich bei Gott, bei Maria, bei den Heiligen bergen, bis die Gefahr vorüber ist oder wenigstens, bis ich wieder genug Kraft gefunden habe, ein Stück weiterzugehen.

Gott ist für mich der Rückzugsort. Wenn ich vor Angst nicht mehr weiß wohin, wenn ich vor Überforderung denke, ich kann nicht mehr, dann wende ich mich ihm zu, nehme mir Zeit, oder um im Bild zu bleiben, laufe ich auf ihn zu und berge mich bei ihm.

Es macht die Pandemie nicht weg, wenn ich dies tue, aber er gibt mir neue Kraft für die nächsten Schritte, die ich machen muss. Wenn ich einen Moment unter seinem Flügel, unter den Mantel kriechen kann, dann werde ich von ihm mit neuer Kraft und Mut beschenkt. Wie oft durfte ich das schon erleben und darum möchte ich das in dieser Zeit mit Ihnen teilen.

Nehmen Sie sich die Zeit, die Stille, einfach nur da zu sein, bei IHM, bei Maria, bei einem Menschen im Himmel, der Ihnen einst den Schutz auf Erden gegeben hat. Erzählen Sie laut oder nur in Gedanken von Ihren Sorgen, von Ihren Ängsten von allem, was Sie belastet und niederdrückt. Lesen Sie in den Psalmen von den Erfahrungen der Menschen, z.B. Psalm 91 oder Psalm 23 oder auch die entsprechenden Lieder im Gotteslob Nr. 421 und 423.

Ich bin mir sicher, dass auch Sie diese Kraft von Gott spüren können, dass Sie neu gestärkt die nächsten Schritte gehen können.

Allein darum geht es in dieser Zeit. Schritt für Schritt weiterzugehen, bis sich das Blatt wieder wendet, bis wieder bessere Zeiten kommen. Gehen wir gemeinsam, Schritt für Schritt, und bergen wir uns bei Gott, wenn wir meinen, es geht nicht mehr.

Mit Ihnen unter seinem guten Schutz,

Ihre Sabine Jasperneite, Schmallenberg, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe