Wort zum Sonntag

Wer bestimmt über mein Leben?

Pastor Ludger Vornholz

Haben Sie sich schon einmal mit der Frage beschäftigt, wie es in Ihrem Alter weitergehen soll? Wer Ihnen zur Seite stehen kann, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind, über sich zu bestimmen? Für mich wünsche ich, dass eine Person mir zur Seite steht, der ich vertraue, eine Person, die mich kennt und schätzt. Selbstbestimmtes Leben ist den meisten von uns sehr wichtig und doch sind wir nie ganz so frei in unserer Lebensgestaltung, wie wir es gerne hätten. Die Zukunft haben wir nicht in vollem Umfang in unserer Hand. Dies trifft für die Lebensbedingungen zu, die von den Mächtigen dieser Welt für uns getroffen werden. Unsere Abhängigkeit besteht ebenso gegenüber den Mitmenschen in unserem Lebensumfeld. Selbst die moderne Hirnforschung stellt eine absolute Freiheit unserer Entscheidungen in Frage. Die ganze Wahrheit über die Wirklichkeit des Lebens ist, dass wir nur bedingt frei sind. Der Mensch braucht für ein gelungenes Leben, gute Beziehungen zu anderen Personen.

Die katholische Kirche feiert am letzten Sonntag vor dem 1. Advent das Hochfest „Christkönig“. Sie drückt damit aus, dass es eine Person gibt, dem man voll und ganz sein Leben in die Hände geben kann: Jesus Christus. Wir Christen glauben an eine gute Zukunft, weil Gott sie mit uns lebt. Wie spürt ein Mensch, dass er Jesus vertrauen kann? In ähnlicher Weise, wie ein Kind grundsätzlich den Entscheidungen seiner Eltern vertraut. Das Kind folgt seinen Eltern, weil es von vorneherein davon ausgeht, dass es richtig ist, was sie tun. Selbst wenn das Kind eine Entscheidung nicht versteht, akzeptiert das Kind sie. Sicherlich kann man einwenden, das Kind könne sich auch gar nicht sich gegen die Erwachsenen zur Wehr setzen. Aber der kleine Mensch macht im Normalfall immer wieder positive Erfahrungen mit seinen Eltern und diese stärken das Vertrauen in sie.

Der Grund unseres Vertrauens Gott gegenüber ist nicht die erdrückende Machtfülle eines Übervaters (Gott), sondern die Taten Gottes an uns: Der Sohn Gottes öffnet in seinem Leben, Sterben und Auferstehen den Blick auf das Wesen Gottes. Das Wesen Gottes ist ein absolutes „Ja, ich liebe Dich“ zu seiner Schöpfung und in besonderer Weise zu uns Menschen. Der Tod des Gottessohnes am Kreuz und seine Auferstehung ist Ausdruck intensivster Solidarität Gottes mit uns und unserem Leben. Wer selbst sein eigenes Leben für einen Menschen hingibt, um ihm zu zeigen, wie sehr er ihn liebt, wirbt dafür, dass man ihm liebend antwortet. Ein Beispiel für ein solches gelebtes Gottvertrauen ist für mich der Jesuitenpater und Widerstandskämpfer Alfred Delp (+1945), der von den Nazis ermordet wurde. Pater Alfred Delp hat trotz größter Bedrängnis Gott vertraut, in dem er formulierte: „Lasst uns das Leben lieben, weil Gott es mit uns lebt.“ Könnte Jesus auch für Sie ein solcher Freund sein?

Ludger Vornholz, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe