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Weltbienentag am 20. Mai – Von Bienen im Glauben und einer besonderen Kapelle

Bienenstockkapelle St. Elisabeth auf dem Lohof, Reiste
Foto: Besim Mazhiqi

Die Bedeutung von Bienen als Bestäuber für Biodiversität und Ernährungssicherheit ist elementar für die Menschheit. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat den 20. Mai als World Bee Day ( https://www.weltbienentag.de/ ) ausgerufen. Damit unterstreicht die Weltgemeinschaft auch die Erkenntnis über den Rückgang der weltweiten Bienenpopulation und den dringenden Schutz der Bienen.

Die Imkerei ist deshalb von besonderer Bedeutung. Bienenvölker werden dabei in künstlichen Behausungen angesiedelt, die auch Bienenstock genannt werden. Auf dem Lohof der Familie Kleinsorgen in Eslohe-Reiste gibt es ein ganz besonderes Gebäude; eine im Jahr 1840 errichtete Kapelle, die der heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht wurde. Eine Wand des Kirchleins ist in offenem Fachwerk ausgeführt, um in den ungefüllten Gefachen Bienenstöcke unterbringen zu können. Das kleine Gotteshaus wurde daher auch bald Bienenstockkapelle (https://de.wikipedia.org/wiki/St._Elisabeth_%28Reiste%29) genannt. Die Genehmigung der Bienenzucht in der Kapelle erfolgte unter der Maßgabe, Bienenwachs für kirchliche Zwecke zu erzeugen. Die Imkerei wurde aber mittlerweile eingestellt.

Diese besondere Zweckbestimmung der Kapelle ist sicherlich nicht zufällig. Die Bedeutung der Bienen für Mensch und Natur findet sich auch im christlichen Glauben wieder. Die Bienen kommen in der Bibel vor und werden in der christlichen Tradition gepriesen. Anlässlich des Weltbienentages hat der katholischen Theologen Dr. Till Magnus Steiner in dem Beitrag “Der süße Stachel. Bienen im Alten Testament und Glauben” auf der Website “DEI VERBUM” der Katholischen Citykirche Wuppertal (https://www.dei-verbum.de/der-suesse-stachel/) darauf Bezug genommen:

“In höchsten Tönen wird am höchsten Fest der Christenheit das Lob auf die Bienen gesungen. Nicht am 20. Mai, dem Weltbienentag, sondern in der Osternacht wird im Exsultet »der Fleiß der Bienen« besungen. Die Osterkerze, die in dieser Nacht das Licht in die Finsternis bringt, ist »aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet«.

Foto: Besim Mazhiqi

Bienen sind beeindruckende Tiere, auch wenn Zoologen darin übereinstimmen, dass sie eigentlich gar nicht fleißig, sondern eher faul sind – den Großteil der Nacht schlafen sie und auch am Tag legen sie viele Pausen sein. Vor dem Stich einer Biene fürchten sich nicht nur Menschen, sondern selbst Elefanten nehmen Reißaus, wenn sie das Summen eines Bienenvolkes hören. Im besten Fall genießt man Dank der Bienen die süße des Lebens, im schlechtesten Fall hat man einen Stachel im Fleisch. Diese zwei Seiten des Bienenlebens spiegeln sich bereits im Alten Testament wider.

Bereits im Buch des Weisheitslehrers Jesus Sirach erklingt ein Lob auf die Bienen:

                              Klein unter den fliegenden Lebewesen ist die Biene,
                              doch der Ursprung von Süßem ist ihr Ertrag. Sirach 11,3

Schon in der ägyptischen Weisheit findet sich der Hinweis darauf, dass gerade ein solch kleines Tier den Inbegriff von Süßigkeit hervorbringt. Für Jesus Sirach zeigt sich an ihnen, dass Gottes Maßstäbe nicht den menschlichen Kategorien entsprechen. Doch eigentlich ist die Biene und ihr Schwarm im Alten Testament meistens eine Metapher für eine überwältigende Macht eines Heeres.

                                Da rückten die Amoriter, die dort im Bergland wohnen, gegen euch aus.
                                Sie verfolgten euch wie ein Bienenschwarm und versprengten euch von
                                Seïr bis nach Horma hin. Deuteronomium 1,44 (siehe auch Psalm 118,12 und Jesaja 7,18)

Diese zwei Gesichter der Biene hat sie in der jüdischen Tradition zu einer grundlegenden Mahnung werden lassen. So steht im Midrasch Dewarim Rabba, einer Auslegung des Buches Deuteronomium, geschrieben:

                                 Sowie von der Biene der Honig süss, der Stachel aber bitter ist, so sind
                                 auch die Worte des Gesetzes, wer ihnen zuwider handelt, zieht sich das
                                Todesurteil zu … . Midrasch Dewarim Rabba 1,1

Vielleicht sollte beim Anblick der Osterkerze nicht nur ein Lob auf die Bienen erklingen, sondern auch eine Warnung vor deren Stachel – sowie ihr Licht in der Finsternis scheint, doch die Finsternis noch immer zum Leben gehört.”

Foto: Besim Mazhiqi