Wort zum Sonntag

Welche Identität prägt uns?

Pastor Erik Richter

4. Oktober 2020: Meinen Heimatpfarrer Alex Block in Aplerbeck habe ich mal gefragt, wie er es geschafft hat, dass die Bundesregierung das Namentagsfest (Patronatsfest) unserer Gemeinde zum Feiertag erklärte. Er lächelte nur undurchdringlich und antwortete darauf, dass er es nicht verraten würde, wie der 3. Oktober, der Gedenktag der Heiligen Ewalde, zum staatlichen Fest wurde.

Die Heiligen Ewalde, die an Rhein und Ruhr und Westfalen im 7. Jahrhundert die Botschaft von Jesus Christus verkündeten,  haben stark die Identität der Sankt-Ewaldi-Gemeinde in Dortmund- Aplerbeck geprägt, so dass die Gemeinde froh ist, an einem staatlichen  Feiertag Gottesdienst feiern zu können. Solche Kulturhintergründe prägen unser Leben. Manche -früher wertvolle- Prägungen gehen aber auch leider verloren (so auch mehr und mehr das Namentagsfest) und andere werden manchmal extrem zu ausschließenden Prägungen, die andere außen vor lassen und willkürlich Grenzen ziehen können. So auch unsere Identität und Prägung als Deutsche/r.

Wir verdanken unserer deutschen Kultur vieles: ein hohes Maß an Sicherheit, Kulturleben und auch Wohlstand für viele. Dafür haben viele Menschen beigetragen, die in diesem Land gearbeitet haben, gelebt haben und gelehrt haben. Wer viel hat, trägt aber auch viel Verantwortung. Zum einen die Verantwortung, anvertrautes Gut zu bewahren und ebenso das Gut nicht nur für sich oder einen kleinen eingegrenzten Kreis zu nutzen. Eine tragende Säule des Wohlstandes war auch die christliche Auffassung, dass, wer viel besitzt, eine große soziale Verantwortung hat, um den anvertrauten Reichtum so vielen wie möglich zugänglich zu machen. Dazu passt nicht, dass wir Menschen ausgrenzen, die zu unserer Gesellschaft gehören und z.B. eine Kluft der Aggression oder des Hasses gegenüber Juden aufbauen. Auch sie sind Deutsche und vertreten unsere Werte, wie sie z.B. in Artikel 3 unserer Verfassung beschrieben sind (Absatz 3: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“).

Das Gleiche gilt für alle Muslime, die deutsche Bundesbürger sind und alle anderen Menschen, die die Werte unserer Verfassung vertreten. Ich denke, das macht unsere Einheit in Deutschland aus, dass wir niemanden benachteiligen und bevorzugen. Das verpflichtet uns zu einer Offenheit im Umgang miteinander. Ja, es kann sogar unsere Identität bestätigen und vertiefen, wenn wir ein tieferes inneres Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln über alle möglichen Grenzen hinweg. Das bedeutet nicht, dass wir unsere positiven Werte wie z.B. des Christentums (Gottesliebe und Nächstenliebe, die keinen ausschließt) ablegen müssen, im Gegenteil, sie sind ein kostbarer Schatz, den wir im Miteinander einbringen können.

Die heiligen Ewalde haben Jesu Botschaft der Liebe zu Gott und dem Nächsten, in unsere Heimat gebracht und damit das Leben von Westfalen nachhaltig geprägt. Das dürfen wir an diesem Feiertag nachdenklich feiern ebenso wie den befreiend nachhaltigen Fall einer mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen bestückten Grenze oder besser Abgrenzung.

Allen, die diesen Tag feiern, wünsche ich Gottes Segen, der unser Zusammenleben fruchtbar füreinander macht. Und allen, die „Ewald“ heißen, wünsche ich einen gesegneten Namenstag.

Erik Richter, Wormbach, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe