Wort zum Sonntag

Weihnachten 2020

Dechant Georg Schröder

24. Dezember 2020: Mit gebotenem Abstand werden wir Weihnachten feiern. Seit dem 16.12. ist nichts mehr locker  –  denn ein starker Lockdown wurde verordnet, um das gefährliche Corona-Virus nicht reinzulassen. Lockdown bedeutet ja Abriegeln. Lebensbereiche werden so gut es geht abgeriegelt zum Schutz der Menschen vor Gefahren. Im kleinsten Familien- oder Freundeskreis dürfen wir nah zusammen sein, abgeschottet von anderen kleinen vertrauten Lebensgemeinschaften. Ansonsten ist geboten: Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen, Räume lüften, nur nicht zu nah kommen.

Die Diskussionen vor dem Weihnachtsfest bezeugen, dass uns das sehr schwer fällt. In der Postmoderne, der Zeit des Individualismus und der vielen gleichwertigen Möglichkeiten des Handelns, in einer Zeit, in der bis vor kurzem auch über Weihnachten geklagt wurde, weil es Familienstress und Ritualismus bedeute  –  heute also, beim gebotenen Abstand halten, spüren sehr viele (die meisten?) Menschen: Ich brauche Nähe in Gemeinschaft und die Größe dieser Gemeinschaft will ich nicht begrenzen lassen.

Für mich ist das eine zukunftsfähige Erkenntnis, die den Inhalt des christlichen Weihnachtsfestes berührt: Die Menschwerdung Gottes durchbricht den Lockdown zwischen Gott und Mensch. Die Menschheit auf dieser Erde ist mit ihren selbstgemachten Problemen nicht allein gelassen  –  so sehr Menschen sich allein gelassen fühlen müssen angesichts der globalen und persönlichen Probleme, die schier unlösbar sind. Unser Blick auf Jesus von Nazareth kann auch heute in eine gute Zukunft weisen.

Jesus hat Menschen geheilt: Wir mögen heilsam miteinander umgehen, angefangen vom zurzeit gebotenen Abstandhalten bis hin zum Verteilen des neuen Impfstoffes gegen Corona.

Jesus hat das Brot tausendfach geteilt und das Übriggebliebene wurde aufgesammelt und noch einmal verteilt: Wir mögen mit den Ressourcen dieser Erde nachhaltig, d.h. erneuerbar umgehen, um das Leben auf dieser Erde zu erhalten. Unser blauer Planet ist doch wie eine Krippe des sich immer wieder neu entwickelnden Lebens in der Kälte des lebensfeindlichen Weltalls.

Jesus hatte keine Angst, weder vor Menschen noch vor Gott. Er vertraute der Liebe auch unter größten Angstschmerzen am Kreuz: Wir Menschen mögen einander vertrauen, dass Abstandhalten zurzeit richtig ist, auch wenn es weh tut. Vertrauen wir einer Liebe, die in uns Menschen lebt über Grenzen hinweg.

Menschwerdung Gottes bedeutet, die Entfremdung des Menschen von Gott wird durch Gottes Zuwendung aufgehoben, weil dieser Mensch Jesus uns das Geheimnis, das wir Gott nennen, nah gebracht hat durch Heilen, Teilen und Vertrauen  –  über alle Grenzen hinweg und in den Problemen, die da sind. Vielleicht sprechen Sie darüber in Ihrer kleinen Weihnachtsgemeinschaft. Der Menschgewordene wäre dann dabei, ganz nah, es wären gesegnete Weihnachten mit erfreulicher Nähe. Dies wünsche ich uns allen.

 Georg Schröder, Dechant im Dekanat Hochsauerland-Mitte