Wort zum Sonntag

Wanderausstellung „Franz-Stock – Versöhnung durch Menschlichkeit“ in Meschede

Pfarrer Michael Schmitt

Eine eindrucksvolle Ausstellung in der Mescheder St.-Walburga-Kirche erinnert bis Anfang August an ihn. Als er im Februar 1948 plötzlich und unerwartet starb, war er noch keine 44 Jahre alt: Franz Stock.

1904 als erstes von neun Kindern einer Arbeiterfamilie in Neheim geboren, engagierte er sich dort und überörtlich in der katholischen Jugend- und der in den zwanziger Jahren wachsenden Heimatbewegung und begann nach dem Abitur sein Theologiestudium in Paderborn, das er schließlich in Paris fortsetzte: Seit dem Mittelalter war er der erste deutsche Theologiestudent. In den Jahren nach den Grauen des Ersten Weltkrieges und dem Abschluss des aufoktroyierten Versailler Friedensvertrages 1919 war das Verhältnis beider Nationen zueinander mehr als vergiftet.

Nach seiner Priesterweihe 1932 und dreijährigem pastoralen Wirken in Effeln bei Anröchte übernahm er im September 1934 die Seelsorge der deutschen Gemeinde in Paris. Nach einer einjährigen Zwangspause wurde er im August 1940 erneut zum Seelsorger der Deutschen in Paris ernannt und begann Anfang 1941 zugleich als Standortpfarrer im Nebenamt seine Tätigkeit in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen. Ihm oblag die Betreuung der Häftlinge und die Vorbereitung der zum Tode Verurteilten und ihre Begleitung zur Vollstreckung. Über 2000 Exekutionen musste er begleiten, eine Aufgabe, die ihn Nächte lang wach liegen ließ! Vielen Menschen rettete er das Leben, indem er Warnungen aussprach und Informationen weiterleitete. Oftmals konnte er erreichen, dass Todesurteile abgemildert oder die Zahl der geplanten Geiselerschießungen reduziert wurde.

Nach dem Kriegsende 1945 übernahm er die Leitung des „Priesterseminars hinter Stacheldraht“ in Chartres, eine ebenfalls aufopferungsvolle und segensreiche Zeit, in der er in französischer Gefangenschaft befindliche, deutsche Theologiestudenten und Seminaristen auf den Empfang der Priesterweihe vorbereitete. Dazu gehörte u.a. der spätere Liederdichter Lothar Zenetti. Nachdem Stock im Juni 1947 nach Paris zurückkehrt war, starb er 43-jährig an Erschöpfung am 24. Februar 1948. Sein Tod durfte in der Presse nicht bekannt gegeben werden, da er noch immer den Status eines Kriegsgefangenen hatte. Aus diesem Grunde folgte seinem Sarg nur ein knappes Dutzend Menschen. Die Familie erhielt keine Einreiseerlaubnis. Heute gilt Abbe Stock als ein Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft, 2009 wurde das Seligsprechungsverfahren in seinem Heimatort Neheim eröffnet.

Wie notierte er in seinem Tagebuch: „Wenn du gerufen wirst, dann musst du gehen!“ Stock war ein Mensch, der aus der Kraft des Hl. Geistes lebte und wirkte. Darin kann er uns bis heute Vorbild sein oder zumindest doch Orientierung geben: Er wusste den Geist und den Ungeist seiner Zeit zu unterscheiden und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten aus dem christlichen Glauben heraus für das Menschliche, das Humane einzusetzen.

 

Dieser Einsatz spiegelt sich im Liedtext seines Seminaristen Lothar Zenetti wieder, den dieser später verfasste:

Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein;

der eine lebt vom andern, für sich kann keiner sein.

Wer dies Geheimnis feiert, soll selber sein wie Brot;

so lässt er sich verzehren von aller Menschennot.

Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

 

Einen gesegneten Sonntag

Ihr Michael Schmitt, Pfarrer im Pastoralverbund Meschede-Bestwig