Wort zum Sonntag

Vertrauen auf Gottes Liebe, Weite und Wahrheit

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Sie Ihr Elternhaus verlassen haben, um auf eigenen Füßen zu stehen. Das Erwachsen-Werden und die Freiheit der eigenen Entscheidungen, in die niemand mehr hineinzureden hatte, lockte da sicher sehr…! Von so einer Geschichte erzählt uns Jesus im Evangelium dieses Sonntages. Jesus nimmt uns mit in seine Lebens – und Glaubensschule.

Ein Mann hatte zwei Söhne – so beginnt das Gleichnis vom barmherzigen Vater. Der eine, der jüngere Sohn, bittet den Vater um sein Erbteil. Der Vater teilt das Erbe auf und der Sohn zieht in die Welt. Er will frei sein und macht seine Erfahrungen! Alles, was er an Gutem von Zuhause mitbekommen hat (und dabei geht es sicher nicht nur um Geld, sondern auch um Werte, Haltungen, Beziehungen, Verbundenheit…), setzt er aufs Spiel und führt ein Leben in Saus und Braus. Nicht besonders ressourcenorientiert würden wir heute vielleicht sagen! Schließlich landet er in der Gosse: arm, einsam und hungrig nach wirklichem Leben.

In dieser Situation geht er in sich, wie es im Text heißt. Er denkt darüber nach, was ihn wirklich trägt. Und schließlich kehrt er um zu seinem Vater und bittet ihn um Verzeihung! Der Vater hat schon nach ihm Ausschau gehalten. Er nimmt ihn in die Arme, bedingungslos, und nimmt ihn als seinen Sohn wieder auf.

Und der ältere Sohn, der treu bei seinem Vater geblieben ist? Er schaut eifersüchtig auf die Großherzigkeit seines Vaters gegenüber dem Bruder. In ihm hält Gott uns den Spiegel vor – wie würden wir wohl reagieren?

Jesus erzählt diese Geschichte, um uns zu zeigen: So, wie dieser Vater, ist Gott. Er sehnt sich danach, mit uns Menschen in Beziehung zu sein, aber er lässt uns die Freiheit, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und wenn wir uns auf den Umwegen, Irrwegen und Holzwegen unseres Lebens befinden, so ist er doch bei uns und nimmt uns voll Liebe wieder auf, wenn wir zu ihm zurückkehren.

Für uns kommt es dabei nur darauf an, den „Umkehr – Moment“ zu erkennen. Diese „Umkehr – Momente“ des Lebens klar zu sehen, wenn sie not – wendig sind, das wünsche ich mir für mich selber, für uns alle in den Gemeinden, in der Politik und der Gesellschaft und auch für die Verantwortlichen in der Kirche in der momentan so schwierigen Zeit!

Das Vertrauen auf Gottes Liebe, Weite und Wahrheit kann uns dabei den Weg weisen!

Roswitha Gadermann, Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Meschede–Bestwig