Wort zum Sonntag

Raum für Frieden und Versöhnung durch Gottes Zuspruch

Pastor Reinhold Schlappa

19. Januar 2020: Ende November 2019 haben laut Medienberichten ein junger Polizist und seine Kollegen versucht, in der Stadt Yacapani in Bolivien bei allen Unruhen im Zuge der Regierungskrise „die Ordnung wiederherzustellen“. Aus einer Menschenmenge feuerte ein Anhänger des zurückgetretenen Präsidenten Evo Morales einen Schuss ab. Das 9-Millimeter-Projektil blieb in einer Mini-Bibelausgabe stecken, eine Bibel, die der getroffene junge Polizist in seiner linken Brusttasche trug. Der junge Polizist, dem diese Bibel das Leben gerettet hat, berichtet, dass er sehr gerne diese Bibel in freien Zeiten gelesen hatte.

„Fürchte dich nicht“ – so hören wir die Botschaft des Engels aus Bethlehem. Dieser Satz wiederholt sich in der Bibel besonders dann, wenn die Menschen die Angst spüren. Nun verbreitet sich -wie eine dunkle Decke- in unserem Land und auch in Europa ein Gespenst.

Das Gespenst hat einem Namen: Angst. Angst vor Krieg und Terror, Angst vor Überfremdung und Verlust unserer Kultur, Angst, dass Europa zusammenbricht. Angst hat uns im Griff und sie hat viele Gesichter. Jeder und jede hat seine ganz persönliche Angst. Wie wir mit unserer Angst umgehen, ist sehr unterschiedlich. Davon sprechen wir aber sehr selten.

„Fürchtet euch nicht“ – so lautet auch die Botschaft der Engel aus Bethlehem. Nur: Wir sind zu blind, wir sind zu taub, um diese Botschaft wahrzunehmen. Ja, die Angst kann uns blind und taub machen für eine gute Botschaft, die uns befreien will.

Viele Menschen erzählen, dass ihre Angst verschwunden war, als sie diese in Gottes Hände gelegt und sie laut ausgesprochen haben. Gott ist da. Er kennt unsere Ängste. Er ist da wie die kleine Bibel von dem jungen Polizisten in Bolivien, die das 9-Millimeter-Projektil perfekt aufgehalten hat.

Keiner will mich aus meiner Angst so befreien wie Er, deshalb: „Fürchtet euch nicht“.

Meine Frage ist: Was macht mich so taub und blind, dass ich diese Botschaft nicht wahrnehmen kann? Wer und was macht unsere Mutter Erde so dunkel, so kalt, so traurig, dass der Friede immer weniger Platz auf diesem Planeten findet?

„Fürchtet euch nicht“ – Im Vertrauen auf diesen göttlichen Zuspruch wird es mehr Raum für den Frieden und für die Versöhnung unter den Völkern geben. Gott ist mit Euch, Er ist da, seid nicht so blind.

Reinhold Schlappa, Meschede, Pastor im Pastoralen Raum Meschede Bestwig