Wort zum Sonntag

“Prüft alles und behaltet das Gute”

Pastor Ludger Vornholz

In einer christlich geprägten Grundschule stellte ein Religionslehrer, der auch Biologie unterrichtet, folgende Frage: „Was ist braun und hangelt sich von Ast zu Ast?“ Daraufhin flüstert Fritzchen seinem Banknachbarn zu: „Normalerweise würde ich „Affe“ antworten, aber wie ich den Laden hier kenne ist es das „liebe Jesulein”!

Dieser Witz erinnert an eine Versuchung, der Menschen erliegen können: Vorurteile verhindern eine wirklichkeitsgetreue Beurteilung von Situationen. Weil etwas häufiger in einem bestimmten Kontext geschehen ist, erwartet man, dass es auch wieder so geschehen wird, selbst wenn sich deutlich Zweifel anmelden. So kann es passieren, dass wir anderen Menschen unrecht tun. Aus diesem Grunde ist es wichtig, jedem Menschen, egal was passiert ist, eine neue Chance zu geben.

Als Christen glauben wir, dass durch die Menschwerdung des Gottessohnes Gott die Menschen nicht aufgibt. Natürlich bedeutet diese positive Grundentscheidung für das Gute im Menschen nicht, dass wir naiv im Zusammenleben mit anderen Menschen werden sollen. Aber eine Offenheit, dass aus einem schwierigen Menschen ein anderer, gut integrierbarer Mensch werden kann, und das gilt auch umgekehrt, hilft einen wirklichkeitsgetreuen Blick auf menschliche Beziehungen zu werfen. Somit möchte ich Paulus in seinem ersten Brief an die Thessalonicher zustimmen: „Prüft alles und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt!“ (1 Thess 5,21)

Ludger Vornholz, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe