Weihnachtsgruß 2022

24. Dezember 2022
Schmallenberg
Wenn ich an Weihnachten 2022 denke, frage ich mich:

Wie werden die Christen in der Ukraine Weihnachten feiern in ihrem vom russischen Angriff zerstörten und bedrohten Land? Wie viele Familienmitglieder sind nicht mehr dabei, weil sie Opfer des Krieges geworden sind?

Wie werden die Christen in Russland Weihnachten feiern? Werden sie ihre Opfer mit Namen zählen und veröffentlichen dürfen? Werden die russischen Machthaber einsehen, dass dieser Krieg nichts anderes hervorgebracht hat als Tote, Zerstörung und weltweite Not, ja Hungersnot?

Wie werden wir Christen in Deutschland Weihnachten feiern? Werden wir im Frieden sein, obwohl die Spannungen in unserer Gesellschaft zunehmen? Die einen wissen nicht, wie sie ihre Heizungskosten bezahlen sollen, und die anderen lassen sich ihre Weihnachtsbeleuchtung in und außerhalb des Hauses nicht nehmen, weil sie es sich leisten können. Nach zweimal Corona-Weihnachten steht uns nun ein Weihnachten unter Kriegsfolgen bevor, auch wenn bei uns keine russischen Raketen explodieren.

Alle Christen weltweit hören die Botschaft aus dem Lukasevangelium: Mit der Geburt des Kindes Jesus beginnt der Friede auf Erden bei den Menschen guten Willens, die Gott wohlgefällig sind, denen er gnädig ist.

Jede und jeder, die oder der dies hört und sich zu Herzen nimmt, weiß sogleich: Ich bin es nicht. Ich bin nicht so friedlich, wie Jesus und sein Gott es wollten und wollen. Ich mag diese oder jenen nicht. Ich komme mit der Meinung eines anderen nicht überein. Das friedliche und harmonische Zusammenleben erfahre ich nur sehr selten. Mein Gewissen sagt: „Das ist so, aber es ist gut, wenn dir dieser Unfriede bewusst wird und du dich auseinandersetzt mit Worten und Kompromissen, mit einem menschenwürdigen Gesetz, das dich und andere leben lässt, weil ihr Menschen seid.“

Und weiter sagt die Stimme des Gewissens, geprägt vom Weihnachtsevangelium: „Du und die anderen, ihr seid wertvollste Menschen, weil ihr in Gottes Gnade seid, ihm wohl gefallt und er Gutes für euch will.“ Ist dies nicht die Botschaft Jesu, die mit seiner Geburt uns sehr nahe kommt?

Käme sie uns endlich nah!

Mehr als diese wertvolle Zusage aus dem Evangelium habe ich nicht, wenn ich an Weihnachten denke.

Tun wir als Christinnen und Christen, tun wir als Menschen etwas, das zeigt: „Du bist ein wertvoller Mensch! Du, Kranker oder Kranke. Du, Kollegin oder Kollege. Du, Nachbarin oder Nachbar. Du, Politiker oder Politikerin. Du  –  ja Du, der oder dem ich begegne.“

Und wenn der oder die andere oder ich selber das nicht beherzige? Dann geht man sich aus dem Weg. Und wenn das nicht geht, dann ist ein Krieg mit und ohne Waffen sehr nah.

So lange wie es Menschen gibt, gibt es Kriege. Die Botschaft von Weihnachten, dass ein Mensch göttlich wertvoll ist, ist das Wort gegen die Vernichtung von Menschen, nur weil sie Menschen eines anderen Landes, einer anderen Nationalität, einer anderen Sprache usw. sind. Jesus hat sich gegen all jene gestellt, die Menschen vernichten wollten oder ihre wertvollste Würde mit Füße getreten haben. Mit blutiger Gewalt wurde er deswegen vernichtet.

Sein menschlich-göttlicher Wert wurde umgemünzt in ein ewig friedliches Leben. Dieses Leben erhoffe ich für alle Opfer von Krieg und Gewalt. Mit dieser Zukunft vor Augen sage ich Dir: „Du bist ein wertvoller Mensch. Und ich hoffe, Du sagst auch mir: Du bist ein wertvoller Mensch.“

Dass wir in den Gemeinden unseres Pastoralverbundes dies immer wieder beherzigen, das wünsche ich uns zum Weihnachtsfest. DANKE, dass wir es immer wieder versucht haben und versuchen im Gemeindeleben und Gottesdienst. So mag etwas ausstrahlen in unsere Welt von dem, dessen Namen wir tragen: Christus.

Im zu Ende gehenden Jahr haben wir uns im Pastoralverbundsrat (Pfarrgemeinderäte und Gemeindeteams der 28 Gemeinden) angesichts von immer weniger werdenden hauptamtlichen pastoralen Personals gefragt: Wie können wir zukünftig Gemeinde Christi vor Ort sein? Gemeinde lebt, wenn Christen sich versammeln und erfahrbar machen: „Du bist ein wertvoller Mensch. Du bist liebenswürdig. Du kannst bei uns Hilfe erfahren, Gemeinschaft erleben und an Worten und Zeichen Jesu teilhaben.“

Was wir als Gemeinde Jesu vor Ort dafür an Gütern (Kirchengebäude, Pfarrheime, Häuser, Grundstücke…) brauchen, sollten wir erhalten. Wenn wir diese Güter finanziell nicht halten können, sollten wir gucken, wo was wirklich genutzt wird als Gemeinde Jesu. Andernfalls sollten Güter veräußert werden („Immobilienkonzept“ des Erzbistums). Gebäude, die nicht im Dienste von Menschen, von Gemeinschaftserlebnissen und Fürsorge stehen, sind für eine christliche Gemeinde nutzlos. Andere Nutzer könnten sie besser gebrauchen. Ich denke an die schwierige Lage, Unterkünfte für Geflüchtete zu finden.

„Gott, sende uns mit dem Weihnachtsfest deinen Geist des Friedens, den die Engel der ganzen Menschheit in Bethlehem verkündigt haben!“

Auch im Namen des Pastoralteams danke ich allen, die sich ehrenamtlich in den Gemeinden, Verbänden, Gruppen und Einrichtungen einsetzen für die Gemeinde Jesu Christ in unterschiedlichsten Weisen. Ihnen und Euch allen gesegnete Weihnachten 2022 und ein Ende des Krieges in Europa!

Ihr und Euer Pfarrer

Georg Schröder