Alles auf Anfang

31. Dezember 2021
Schmallenberg
Wort zum Sonntag

Jeder und jede kennt die „Reset“-Taste am Fernsehen, am PC oder am Telefon. Wenn ich sie drücke, bedeutet das: Alles auf Anfang. Alle Programme werden geleert. Das Gerät erscheint ganz neutral, alle persönlichen Daten sind gelöscht.

Silvester – Neujahr: Zum Jahreswechsel möchte ich bei manchen Erinnerungen auf „Reset“ drücken. Misserfolge, Erkrankungen und Konflikte möchte ich weg haben und dann ganz neu anfangen mit mir und mit anderen, mit Aufgaben und Zielen.

Jede und jeder weiß, dass „Reset“ drücken nicht einfach geht. Nur weil im Kalender die Jahreszahl wechselt, wird das Leben nicht neu. Und doch hat dieses Datum einen Zauber.

Christlich wird der „Reset“-Wunsch unterstützt mit dem Weihnachtsfest, das wir in diesen Tagen (noch immer!) feiern, denn die Geburt des Kindes Jesus ist eine Zäsur in der Geschichte des Volkes, das an den Einen Gott glaubt. Jesus gehört ganz und gar in die Geschichte des Volkes Israel. Er verkörpert aber „Reset“. Mit ihm wird alles auf Anfang gestellt in der Geschichte der Menschen mit Gott. Dieses „Reset“ lässt alles zurückfallen auf die „Basics“: Unbedingte Liebe ist da und bleibt immer möglich. Jesus ist diese unbedingte Liebe in Person.

Mit diesem „Reset“ wird für jeden Menschen, der mit ihm leben will, eine neue ganz persönliche Software aufgespielt. Es ist eine Software, die immer wieder einen persönlichen Neuanfang auftut. So bleibe ich frei, immer und immer wieder mit der Liebe anzufangen.

Der Jahreswechsel veranlasst mich, meine Programme und Apps zu überprüfen und gegebenenfalls zu „resetten“, d.h. Ballast zu löschen, um frei zu werden für Neues. Habe ich ein Beispiel?

In allen Krisen, die uns auch in 2022 belasten werden, möchte ich abends die Tagesprogramme auf das „Reset“ mit den Basics von Jesus zurückfahren. Morgens möchte ich meine Programme neu öffnen und befreit starten mit Hoffnung, die nie zugrunde gehen lässt, und mit Menschenfreundlichkeit auch in schwierigen Situationen.

Hoffnung und Menschenfreundlichkeit hochfahren nach dem „Reset“ von Verdruss und Menschenmüdigkeit, das wäre doch was für 2022. Oder anders gesagt:

„Aus Mauerritzen der Ernüchterung lässt du zähe Sprossen keimen.

Aus Ruinen des Versagens lässt du Fundamente des Neubeginns erstehen.

Aus Wüsten der Einsamkeit lässt du Quellen der Begegnung entspringen.

Aus Überresten guten Willens formst du dir den Menschen, wie er am Anfang vorgesehen war, und erhältst dir die Güte, ihn mit seinen Schwächen anzunehmen.“  (Klaus Huber, Tedeum Okt. 2021)

Georg Schröder, Dechant im Dekanat Hochsauerland-Mitte