Ostern  Fest der verklärten Wunden

16. April 2022
Bestwig
Wort zum Sonntag

Ostern ist für Christen das Fest der Auferstehung. Und die Verheißung, dass auch unser Weg nicht im Grab oder in der Urne endet, ist eine atemberaubende Botschaft.

Für mich wird Ostern zunehmend auch das Fest der verklärten Wunden. Jeder von uns erfährt in seinem Leben Verletzungen. Entscheidend ist, wie wir mit unseren Wunden umgehen. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) sagt: „Die Kunst der Menschwerdung besteht darin, die Wunden in Perlen zu verwandeln.“ Wie das geschehen kann, habe ich noch nirgendwo schlüssig gelesen. Aber dass es geschehen kann, sehen die Jünger*innen mit eigenen Augen am Auferstandenen.

 

Immer wieder sollten wir Ereignisse und Erlebnisse austauschen, an die wir uns dankbar erinnern und die wir nicht verlieren möchten. Durch Erinnerung und Kommunikation verstärken wir die Erfahrung, dass unser Leben kostbar ist, ein einmaliges Geschenk.

Die Fastenzeit hat uns Gelegenheit gegeben anzuschauen, was uns immer noch belastet, was unser Leben verkrümmt und klein gemacht hat. Die verklärten Wunden Jesu laden uns ein, unsere eigenen Wunden nicht zu verdrängen, sondern verwandeln zu lassen, sie zu integrieren und nicht im Selbstmitleid steckenzubleiben.

 

Der ukrainisch-katholische Großerzbischof sagte in einer Videobotschaft aus Kiew: „Wer seine Leiden mit dem Leiden des gekreuzigten Erlösers verbindet, verändert das Leiden. Dann verwandelt sich unser Leiden in die Geburtswehen eines neuen Lebens. Und wir sehen, dass in der Ukraine ein neues Leben entsteht. Durch die Ukraine wird eine neue Welt entstehen. Eine Welt, in der es kein Böses mehr geben wird. Eine Welt, in der die menschliche Würde und das Leben respektiert werden.“ Möge seine Vision auch unsere Hoffnung für die verwundete Welt werden.

Trauen wir der verwandelnden österlichen Kraft?!

 

Schwester Maria Ignatia Langela SMMP, Bergkloster Bestwig