Mehr Gerechtigkeit geht alle an

17. September 2022
Wormbach
Wort zum Sonntag

Immer wieder hören und lesen wir von hohen Energierechnungen und viele haben sie auch schon selbst in der Hand gehabt. Der Ruf nach mehr Gerechtigkeit wird laut bis hin zur Verstaatlichung von Unternehmen im Sinne von Karl Marx, der die Produktionsmittel lieber in den Händen der Allgemeinheit sieht. Die Suche nach mehr Gerechtigkeit in schwierigen Zeiten stellt sich schon lange und treibt viele um. Der Jesuit Oswald von Nell-Breuning stellt bei der Lösungssuche für mehr soziale Gerechtigkeit fest: „Wir stehen alle auf Marx‘ Schultern.“ Ein Grundgedanke, der widerspiegelt, dass das Bewusstsein in der Breite der Gesellschaft angekommen ist und getragen wird, nämlich dass die Frage und Entscheidung nach mehr sozialer Gerechtigkeit nicht allein von den Besitzenden gelöst werden darf. Die Lösungswege sind sehr verschieden und schwierig.

 

Gerade in dieser Zeit stellt sich die soziale Frage sehr akut und die unterschiedlichen Meinungen und Lösungsansätze heben sich sehr scharf voneinander ab. Hohe Gas-, Strom- und Ölpreise bedrücken gerade die Menschen mit wenig Geld. Auch bei Firmen gibt es eine unterschiedliche Sachlage, es gibt Gewinner an der Krise und Firmen, die am Existenzminimum stehen. Für Gerechtigkeit ist gewiss die Politik zuständig. Aber wir sind mitverantwortlich!

 

Der Blick auf die biblischen Texte an diesem Wochenende zieht uns deutlich in die Mitverantwortung. Die anklagenden Worte des Propheten Amos richten sich nicht nur an das Volk im Nordreich Israels vor über 2700  Jahren, sie meinen auch uns: „Wir wollen das Hohlmaß kleiner und das Silbergewicht größer machen, wir fälschen die Waage zum Betrug, um für Geld die Geringen zu kaufen und den Armen wegen eines Paars Sandalen.“ (Am 8,5b-6) Wir kaufen vielleicht keine Menschen für billig Geld ein, aber achtlos und gedankenlos wie mit Billigware gehen wir vielleicht mit armen Menschen um. Der Mensch und seine Arbeit kann und darf keine Billigware werden. Die soziale schwierige Lage vieler Menschen, die hohe Energierechnungen zu ihren sonstigen Geldproblemen hinzu bekommen, darf uns nicht egal sein.

 

Für uns Christen gibt Jesus deutlich den Hinweis im Evangelium vom ungerechten Verwalter (Lk 16,1-13). Seid großzügig mit Eurem Besitz. Denkt an die Armen und wer viel besitzt hat viel Verantwortung für einen gerechten Umgang mit den Armen. Es gibt eine große Verantwortung für mehr soziale Gerechtigkeit, die jeden angeht und sie fängt bei meinem persönlichen Besitz an und wie ich damit umgehe: Achtlos oder gedankenlos im Umgang mit dem Armen? Ich muss kein Marxist werden, aber vielleicht bin oder werde ich großzügig, weil ich gerade die Menschen mit ihren sozialen Problemen als meine Freunde betrachte, wie Jesus es tut?

 

Erik Richter, Wormbach, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe