Komm, Heiliger Geist, der Leben schafft

22. Mai 2021
Meschede
Wort zum Sonntag

„Pfingsten / sind die Geschenke am geringsten /
während Ostern, Geburtstag und Weihnachten / was einbrachten.“

Der Schriftsteller Bert Brecht resümierte so in „Ein Kinderbuch“ das vor uns stehende Fest. Aber: Stimmt das wirklich?

Bleiben wir mal bei diesem Hochfest Pfingsten, was vielen inhaltlich nichts mehr oder nicht mehr viel sagt. In der Regel sind es schöne Ausflugstage, oft bei frühsommerlichen Temperaturen. In manchen Orten ist es der Tag des Schützenfestes; der Aktionstag der westfälischen Wind- und Wassermühlen und viele Attraktionen werden sonst an diesem Fest begangen.

Vom Ereignis am Pfingstfest, dem „Fünfzigsten Tag“ nach dem Osterfest, aber sprechen eindrucksvoll die biblischen Texte: Die Sendung des Hl. Geistes zu seinen im Gebet versammelten Jüngerinnen und Jünger in Jerusalem, die Bekräftigung ihres Glaubens und seine bleibende Gegenwart in der Kirche.

Ein besonders literarisches Zeugnis bildet der Pfingsthymnus, der Hrabanus Maurus im 9. Jahrhundert zugeschrieben wird. Viele großen christlichen Dichter und Theologen haben ihn übersetzt, so waren sie von den Aussagen im wahrsten Sinn des Wortes begeistert. Vokalwerke und Orgelbearbeitungen aus den unterschiedlichen Epochen der Musikgeschichte sind für den Pfingsthymnus und über ihn geschaffen worden. Seine Botschaft und sein Inhalt ist und bleibt zeitlos aktuell.

 

 

In einer zeitgenössischen Übersetzung heißt es dort in den ersten beiden Strophen:

 

Komm, Heilger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

 Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt,
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

 

Sind es nicht Geistesgaben, die dort erbeten werden, die wir besonders in dieser Zeit nötig haben? Gaben, nach denen wir in unserer kleinen und großen Welt, in Kirche und Gesellschaft hungern? Den Geist Gottes, der uns Erkenntnis schenkt, Licht und Leben, Kraft und Mut, uns für eine bessere, gerechtere Welt einzusetzen?

Jeden Morgen vor dem eigentlichen Aufstehen bete ich diesen Text. Danach kann das weitere Tagewerk beginnen. Er ist für mich das „Starterpaket“ am Morgen, das ich für mich und die tagtäglichen Begegnungen und Aufgaben erbitte. Anschub und Anstoß, nicht nur auf die eigene Kraft zu vertrauen, sondern um Gottes Geist zu bitten, sich von ihm ermutigen und bekräftigen zu lassen.

„Pfingsten sind die Geschenke am geringsten“? – Ich glaube nicht. Den Kern des Festes haben wir vielleicht heute nötiger denn je. Seine Erfahrung wünsche ich uns besonders in diesen Tagen! Jeder Tag kann ein kleines Pfingstfest werden und sein. Wie dichtete es Hrabanus Maurus:

 

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

 

Ein geisterfülltes Pfingstfest wünscht Ihnen

Ihr
Michael Schmitt, Meschede, Pfarrer im Pastoralverbund Meschede-Bestwig