Ich bin…und das ist wunderbar!

20. August 2022
Schmallenberg
Wort zum Sonntag

Wann haben Sie dies zum letzten Mal von sich gedacht und es auch wirklich so gemeint? Ich bin… und das ist wunderbar! Überhaupt schon einmal?

Ich muss zugeben, dass ich diesen Satz nicht von mir denken konnte, geschweige denn aussprechen. Viel zu selten sehen wir in unserer heutigen Gesellschaft auf das Gute, auf das Schöne in unserer Welt und in unserem Leben, sondern immer auf das was unserer Meinung nach nicht stimmt. Heute Morgen habe ich gehört, dass man Deutschland im Ausland das „Meckerland“ nennt. Passt irgendwie, oder?

Und da machen wir vor uns selbst nicht halt. Hand aufs Herz, wer hat sich in seinen Gedanken nicht schon einmal runtergemacht? „Ich bin nicht gut genug.“ „Ich bin nicht schön genug.“ „Ich bin nicht dünn genug.“ „Ich bin nicht intelligent genug.“ „Ich bin nicht wert.“ Mir haben diese inneren Sätze und noch viele mehr mein ganzes Leben lang zugesetzt.

Sie sind meilenweit entfernt von „Ich bin… und das ist wunderbar“. Sie machen uns und unser Dasein klein. Wenn wir schon mit uns so umgehen, wie dann erst mit anderen, die nicht unserer Norm entsprechen. Jeder und jede von uns hat von sich, aber auch vom Nächsten, eine ganz bestimmte Vorstellung, was normal ist. Alles was abweicht, ist erstmal nicht gut oder sogar gefährlich.

Wie sollen wir andere Menschen annehmen wie sie sind, wenn wir es nicht einmal mit uns selbst können?

Schauen wir uns die Norm Jesu in den Evangelien an, dann ist da ein ganz anderes Bild. Jesus kann jeden Menschen so annehmen wie er oder sie ist. Er schaut erstmal nur auf das Gute im Menschen und trotzdem weiß er um die Schwächen. Er hat gelehrt, dass jeder Mensch, einfach weil er ist, schon wunderbar ist. Er hat die Stärken der Menschen bestärkt und dabei die Schwächen nicht verleugnet.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, so steht es im Grundgesetz. Warum treten wir selbst dann unsere Würde, das Geschenk unseres Daseins, mit Füßen?

Ich lade Sie ein, mal ganz bewusst eine Woche aus der Sicht Jesu auf sich zu schauen. Das Gute sehen und unterstreichen, das Schwierige und Schwache nicht zu verleugnen, aber auch nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Ich weiß wie schwer das ist, aber ich durfte erfahren, dass sich dann das Selbstbild ganz langsam ändern kann und damit auch der Blick auf den Anderen und die Welt. Und irgendwann sprechen Sie es laut aus: Ich bin…und das ist wunderbar!

Viel Liebe zu sich selbst wünscht Ihnen,

Sabine Jasperneite, Schmallenberg, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe