Gottes neue Ordnung

27. August 2022
Schmallenberg
Wort zum Sonntag

Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. LK 14,7-11

 

Vermutlich geht es Jesus an dieser Stelle des Sonntagsevangeliums nicht darum, eine Art Benimm-Code für das Verhalten bei Hochzeiten vorzustellen. Das Bild vom Hochzeitsmahl soll sicher etwas anderes verdeutlichen. Das Ziel des gesamten Lebens Jesu und seiner Verkündigung ist es ja, die Bedingungen vom Einlass ins Reich Gottes zu verdeutlichen und dessen Durchbruch anzukündigen. Dabei geht es ihm vor allem um eine andere bzw. neue Werteordnung und diese wirft so einiges durcheinander, was unser menschliches Miteinander prägt. Diese Ordnung wird immer dort sichtbar, wo Menschen nicht mehr über andere Menschen herrschen, sondern wo der Wille Gottes und seine Gerechtigkeit zur Geltung kommen. Diese so neue und ungewöhnliche Maxime Gottes beschreibt Jesus mit dem Satz: Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

In Gottes Reich haben Rangunterschiede keine Bedeutung und keinen Platz mehr im menschlichen Miteinander; damit stellt Jesus das übliche Lebensgesetz auf den Kopf. Kurz und knapp hat es der Evangelist Lukas im Magnifikat, dem Abendgebet der Kirche so zusammengefasst: „Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“ (Lk 1,51-53).

 

Das klingt nicht gerade so, als wäre diese Maxime mit unserer menschlichen Gesellschaftsordnung kompatibel. Dies scheint doch sehr unserer auf Leistung und Durchsetzungsvermögen orientierten Welt zu widersprechen. Aber es führt bei Jesus kein Weg daran vorbei: Wer nur besorgt ist um sein Prestige und seine Interessen und dabei seinen Nächsten vergisst, der ist nicht im Einklang mit den Werten, die im Reich Gottes von Bedeutung sind. Denn dort zählt kein Status, keine Einteilung in Hohe und Niedrige, Wichtige und Unwichtige.  In diesem Geltungsbereich Gottes gilt nicht: „Hast du was, bist du was.“ Oder „Der Stärkere gewinnt.“ In Gottes Reich ist jeder einzelne Mensch, wie er nun mal ist, ein von Gott geliebtes Wesen. Wer das nicht akzeptieren will, ist allerdings noch weit entfernt vom Reich Gottes.

 

Jesu Botschaft vom Reich ist und bleibt eine frohe Botschaft, die alle Menschen meint und alle befreien will. Er will allerdings hellsichtig machen für die Gefahren von Reichtum und Prestigegedanken, deren Falschheit darin besteht, dass wir das, was wir haben, mit dem verwechseln, was wir sind. Jesu Anspruch ist es, in aller Klarheit, die auch hart sein kann, den weltlichen Wert des Prestiges durch den göttlichen Wert, zu ersetzen. Und dieser besteht darin, dass jeder Mensch von Gott mit unverlierbarer Würde ausgestattet ist, wertvoll in seinen Augen und von Herzen von ihm geliebt.

 

Thomas Rickert, Ständiger Diakon im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe