Gott suchen  jeden Tag aufs Neue

28. Mai 2022
Meschede
Wort zum Sonntag

Die Jünger begegneten Jesus nach seiner Auferstehung oft. So unverhofft wie er kam, ging er auch wieder so erzählt es uns die Heilige Schrift. Die Jünger waren sich bewusst, dass Jesus eines Tages zu seinem Vater in den Himmel zurückkehren wird. Das hatte er Ihnen oft gesagt. Der Heilige Geist bestärkte und ermutigte die Jünger, die froh-machende Botschaft vom Reich Gottes immer weiter zu verbreiten. Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Blicken emporgehoben. Jesus kehrte an diesem Tag zu seinem Vater zurück.

Heute feiern wir neben seinem Heimgang zum Vater auch unsere eigenen Väter. Der Vatertag… Ein Tag an dem wir uns oft bedanken, Wertschätzung und Liebe zeigen. Abgesehen davon, dass wir dies jeden Tag tun sollten, finde ich es persönlich trotzdem schön, einen Tag im Jahr zu haben, den wir ganz bewusst unseren Vätern widmen.

In meinem Arbeitsalltag habe ich momentan viel mit geflüchteten Frauen und Kindern aus der Ukraine zu tun, dabei sind die daheim gebliebenen Väter oft Gesprächsthema. Wir sprechen, weinen und schweigen oft gemeinsam. Unweigerlich stellt sich mir dabei die Frage: „Wie solche Tage bei Menschen begangen werden, die Ihre Väter vielleicht nie kennengelernt haben, sie durch den Tod auf dieser Welt verloren haben oder aber wie im Fall der geflüchteten Menschen in ihrer Heimat in Ungewissheit zurücklassen mussten.

Jesus ist an diesem Tag zu seinem Vater in den Himmel aufgefahren. An solchen Tagen fragen wir uns alle vielleicht noch viel bewusster als sonst: „WO IST GOTT?“  Diese Frage wird besonders in schwierigen Situationen präsenter. Auf viele Fragen, die wir uns stellen, gibt es oft keine Antwort. Zumindest keine einfache und schnelle, die wir uns dann ganz natürlich wünschen. Ein für mich sehr weiser Mann hat mir einmal gesagt: „Glauben heißt nicht nur „blind vertrauen“ sondern glauben heißt: „Gott ein Leben lang mit offenem Herzen und Verstand suchen!“ Ich möchte auch diesen Text mit ein paar Zeilen vom deutschen Poetryslamer Marco Michalzik beenden, die mich persönlich sehr beschäftigen und meine heutigen Gedanken, wie ich finde, sehr gut gebündelt auf den Punkt bringen.

„Ich beginne zu begreifen, dass meine anfänglichen Fragen und Zweifel in Wahrheit die Antworten sind. Dass jede Not, die ich seh, mich einlädt ihr zu begegnen.
Oh was für ein tiefes Geheimnis, dass der Schöpfer des Universums in mir, der so klein ist, daheim ist.
Wo bist Du? Du lebst in mir und willst durch mich Menschen begegnen, Hoffnung säen, damit sie Hoffnung sehen. Und das klingt so Verstand übersteigend extrem. Und trotzdem – auch so wunderschön! Lichter der Welt – Feuerzeuge, Taschenlampen und Fluchtlichter: Die Frage ist nicht wo ist ER? Sondern wo sind wir? Wo bist Du?“

Und am Ende bedeutet auch das für mich die Himmelfahrt Christi: Gott suchen, jeden Tag aufs Neue. Bedanken wir uns, zeigen wir ihm Wertschätzung und lieben wir ihn von ganzem Herzen. Jede/r auf seine/ihre ganz eigene Weise. Denn wir alle leben in der Hoffnung, dass auch wir eines Tages zum Vater heimkehren. Daher vergessen wir alle nicht: „Jeder Tag ist Vatertag!“

Ana Jezildic, Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Meschede-Bestwig