Erntedankfest

3. Oktober 2021
Erntedank und Schöpfungsverantwortung

Das Erntedankfest wird in den deutschen Diözesen traditionell am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Damit liegt es in den meisten Jahren innerhalb der Ökumenischen Schöpfungszeit, die am ersten Freitag im September beginnt und mit dem Festtag des hl. Franz von Assisi am 4. Oktober endet.

In der heutigen Zeit sind durch den globalen Handel die meisten Lebensmittel unabhängig von Saison und Region ganzjährig in den Supermärkten verfügbar. Das Erntedankfest, bei dem im Herbst die Altäre in den Kirchen mit heimischen Erntegaben geschmückt werden und Gott dafür gedankt wird, scheint daher fast ein nostalgisches Fest zu sein. Der Überfluss an Lebensmitteln in den Industrieländern hat zu einem verschwenderischen Umgang mit Nahrung geführt. Die existenziellen Abhängigkeiten zwischen Landwirtschaft und klimatischen Einflussfaktoren sind heutzutage vielen Menschen nicht bewusst.

In seiner 2015 veröffentlichten Umwelt- und Sozialenzyklika Laudato si veranschaulicht Papst Franziskus die gegenwärtige weltweite ökologische Krise und verdeutlicht, dass die Ausbeutung der Ressourcen unseres Planeten globale ökologische und soziale Folgen nach sich ziehen. So schreibt er, dass Umweltzerstörung und Hunger in unmittelbarem Zusammenhang stehen: „Außerdem wissen wir, dass etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel verschwendet wird, und dass Nahrung, die weggeworfen wird, gleichsam vom Tisch der Armen geraubt wird.“ Er führt weiter aus, dass durch Erosion, Monokulturen, Dünge- und Pflanzenschutzmittel das Gleichgewicht des Bodens gestört und ein zentraler Teil der Umwelt geschädigt werde. Der Verlust an biologischer Vielfalt, an ökologischem Reichtum und an Lebensraum seien die spürbaren Folgen, von denen insbesondere auch die Ärmeren, deren Lebensunterhalt fast ausschließlich von den natürlichen Ressourcen der Welt abhängt, betroffen seien.

Ein an heutigen Bedingungen ausgerichtetes Erntedankfest sollte daher zum Anlass genommen werden, den Blick über den geschmückten Altar hinaus auf die Bedrohung zu richten, die mit der globalen Wirtschaftsform und ihrer Konsequenz, dem Klimawandel, einhergeht. Jeder einzelne Mensch trägt Verantwortung für den Schutz der Umwelt und den Erhalt der Schöpfung. Schöpfungsverantwortung heißt ökologisches und soziales Handeln.

Sich am Erntedankfest bewusst beim Schöpfer zu bedanken und sich zu vergegenwärtigen, dass nicht auf alles ein unbegrenzter Anspruch besteht, ist heute aktueller denn je. Und das schließt auch den Blick auf jene Menschen mit ein, die nicht aus dem Vollen schöpfen können, sondern hungern müssen. Denn Dankbarkeit ist die Erkenntnis, beschenkt zu sein, beschenkt mit den Gaben der Schöpfung.

 

Ein Beispiel für moderne Landwirtschaft unter Berücksichtigung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist der Biohof Vausshof in Salzkotten-Scharmede. In einem Beitrag der ZDF-Drehscheibe stellt die Hofgemeinschaft ihre Idee der solidarischen Landwirtschaft vor.

 

(Ein Beitrag von: Barbara Rickert)