„Den Menschen, Gott und seiner Schöpfung schuldig“

28. Juni 2022
Paderborn
Stellungnahme von Generalvikar Alfons Hardt zur Kirchenstatistik 2021

Paderborn / Bonn (pdp) Generalvikar Alfons Hardt ruft die Kirche von Paderborn anlässlich der jetzt bundesweit veröffentlichten kirchlichen Jahresstatistik für das Jahr 2021 auf, die „richtigen Wege der Erneuerung und der Konzentration auf den Kern“ des eigenen Daseins und Auftrags in diesen Zeiten der Veränderung konsequent weiterzugehen. Gleichzeitig betont der Generalvikar des Erzbischofs von Paderborn, dass die Kirche weiterhin viel Gutes leiste, für alle Menschen ansprechbar bleibe und niemanden allein lasse. Hier die Stellungnahme von Generalvikar Hardt im Wortlaut:

„Wir dürfen uns jetzt nicht ablenken lassen und müssen unseren Weg weitergehen. Das sind wir den Menschen, Gott und seiner Schöpfung schuldig. Wieder einmal erhalten wir als katholische Kirche in Deutschland die Quittung für das, was wir noch nicht gut hingekriegt haben. Aber wir müssen jetzt dranbleiben, weiter unsere Arbeit machen und beweisen, dass wir als Glaubensgemeinschaft der Welt etwas zu geben und anzubieten haben. Das sind nicht wir selbst, sondern das ist das, wofür wir stehen: die Botschaft vom Reich Gottes, das aufrichtende und freimachende Evangelium Jesu Christi. Wir haben die richtigen Wege der Erneuerung und der Konzentration auf den Kern unseres Daseins und unseres Auftrags eingeschlagen. Die Welt braucht uns, es gibt viel zu tun, besonders jetzt in diesen Tagen und in der nächsten Zeit.

Allen, die sich von der Kirche abwenden, die skeptisch sind oder sich zurückziehen, sage ich: Bleibt! Habt Mut zu neuem Vertrauen! Es lohnt sich. Die Kirche und alle, die ihr in der Tat auf unterschiedliche Weise ein Gesicht geben, leisten viel, vor allem für andere. Es mag im Einzelnen unscheinbar wirken und wenig spektakulär. Aber es ist alles andere als unerheblich. In ihrem Dienst für Glaube, Hoffnung und Liebe trägt Kirche die Lasten des Lebens mit und setzt sich praktisch für eine lebendige Gemeinschaft des Glaubens ebenso wie für die Belange der Gesellschaft, für Neuanfänge, Gerechtigkeit und Frieden ein.

Wir sind da. Wir bleiben ansprechbar. Wir lassen niemanden allein. Ich bin sicher: In Gemeinschaft lebt es sich in der Regel besser als allein. Das ist wie im Erleben von Familie. Aus Familie kann man nicht austreten. Selbst in Distanz zu ihr bleibt die Prägung ihrer Grunderfahrung. So ist es auch mit der Kirche, wenn wir christlich geprägt, sozusagen als Mensch christlich programmiert sind. Damit ist je persönlich etwas grundgelegt, das hoffentlich weiter erfahrbar bleibt und zunehmend erfahrbar wird. Ganz gleich von welchem Standpunkt aus, wünsche ich allen die Erfahrung einer persönlichen Beziehung zu Gott, zu dem, was bedingungsloses Angenommen-Sein, Beziehung, Heimat, Schutz, Segen und Freiheit schenkt. Diese Erfahrung ist und bleibt entscheidend im Alltag des Lebens. Das sehe ich als keine Bitte an, sondern als ein Versprechen an alle Menschen, die unabhängig von ihrem Status von der Kirche in ihrem Leben begleitet werden wollen.“

Kirchen-Statistik für das Erzbistum Paderborn

Rund 1,41 Millionen Menschen auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn sind katholisch – 32.691 Menschen weniger als im Vorjahr. Für den Rückgang der Kirchenmitglieder gibt es neben demographischen Entwicklungen und Wanderungsbewegungen in der Bevölkerung vielfältige Gründe. Kirchenaustritte sind dabei zwar insbesondere in den letzten Jahren ein wichtiger Faktor gewesen. Sie sind aber kein neues Phänomen und werden wohl auch weiterhin die kirchlichen Statistiken der kommenden Jahre deutlich mit beeinflussen. Gründe für den zahlenmäßigen Rückgang der Kirchenmitglieder liegen zudem in einer zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft, die zu einem gesamtgesellschaftlich zunehmenden Bedeutungsverlust von Religion und Kirche führt. 16.310 Menschen haben 2021 im Erzbistum Paderborn die katholische Kirche verlassen. Das sind 6.206 Austritte mehr als im Jahr davor. Insgesamt spielen bei den Zahlenangaben für das Jahr 2021 die Corona-Pandemie und ihre Folgen für das kirchliche Leben wie schon 2020 eine Rolle.

Kirchenmitglieder
2020 – 1.439.563
2021 – 1.406.872

Kirchenaustritte
2020 – 10.104
2021 – 16.310

Taufen
2020 – 6.554
2021 – 8.312

Wiedereingliederungen
2020 – 197
2021 – 205

Übertritte
2020 – 85
2021 – 84

Erstkommunion
2020 – 8.727
2021 – 9.196

Trauungen
2020 – 697
2021 – 1.270

Gottesdienstbesucher
2020 – 72.435
2021 – 48.819

Bestattungen
2020 – 15.892
2021 – 16.256

Priester
2020 – 833
2021 – 813

Priesterweihen
2020 – 2
2021 – 4

Ständige Diakone
2020 – 184
2021 – 183

Weihen Ständige Diakone
2020 – 3
2021 – 1

Gemeindereferentinnen / Gemeindereferenten und Gemeindeassistentinnen / Gemeindeassistenten
2020 – 253
2021 – 260

Beauftragungen Gemeindereferentinnen und -referenten
2020 – 5
2021 – 8

Pastoralassistentinnen und -assistenten
2020 – 5
2021 – 8

Pastoralreferenten/-innen:
2021 – 1 (erstmalig)