Brücken bauen

7. August 2021
Eslohe
Wort zum Sonntag

Erinnerungen an einen unbeschwerten Urlaub im Ahrtal: Im Weinort Rech haben wir eine ganze Zeit auf der denkmalgeschützten alten Steinbrücke gestanden, die den Ortskern mit der Bundesstraße verbindet. Brücken über Flüsse oder Meeresarme, ganz gleich, ob sie Zeugnisse alter Baukunst oder moderne Stahlkonstruktionen sind, haben für mich seit jeher etwas Faszinierendes. Jetzt ist diese alte Brücke zum Symbol für die Zerstörungsgewalt des Wassers geworden. Die Flut hat sie stark beschädigt. Mittlerweile hat die Bundeswehr Ersatz mit einer „Panzerbrücke“ geschaffen, die nun zumindest wieder die Überquerung der Ahr möglich macht.

Vielleicht weitet die folgende Geschichte in diesem Zusammenhang den Blick: „Du hast einen schönen Beruf“, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, „es muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen“. „Wenn man es gelernt hat, ist es leicht“, sagte der alte Brückenbauer, „es ist leicht Brücken aus Beton oder Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind viel schwieriger“, sagte er, „die baue ich in meinen Träumen.“ „Welche anderen Brücken?“ fragte das Kind. Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es seine Gedanken verstehen würde. Dann sagte er: „Ich möchte Brücken bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit, über alles Vergängliche hinweg.“ Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil es ihn wieder froh machen wollte, sagte das Kind: „Ich schenke dir meine Brücke.“ Und das Kind malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen (nach Eschbacher Brief Nr. 210).

Das alttestamentliche Zeichen des Regenbogens -Symbol für das Versprechen Gottes, dass er an der Seite der Menschen bleibt- wird zur Hoffnungsbrücke für einen alten Mann. Auf solche „Brücken“ warten jetzt die Menschen in den Überschwemmungsgebieten. Zahlreiche „Brücken der Solidarität“ sind schon gebaut worden: erhebliche Sach- und Geldspenden, Finanzhilfen und an vielen Stellen ganz konkrete Unterstützung durch eine große Zahl von ehrenamtlichen Helfern. Doch wird es darauf ankommen, dass diese Brücken mit einem langen Atem weitergebaut werden. Welche Wiederaufbauhilfen werden Land und Bund zur Verfügung stellen? Werden die Versicherungen gerechte Lösungen finden?

Übrigens ist die St.-Luzia-Kirche in Rech mittlerweile mehr als ein Gottesdienstraum, Sachspenden, die noch auf die Verteilung warten, werden hier aufbewahrt. Ein Zeichen dafür, dass es jetzt auf die ganz praktische Nächstenliebe –gerade auch der Kirchen- ankommt. So wird die „Regenbogen-Brücke“ der Hoffnung und der Solidarität in die ganz konkreten Nöte der Menschen hineingebaut.

 

Eine gesegnete Woche …

Bernadette Klens, Eslohe, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe