Auferstehung leben und verkünden

3. April 2021
Meschede
Wort zum Sonntag

 

Meine Glaubensgemeinschaft, die katholische Kirche, taumelt. Sie ist krisengeschüttelt. Kirchenaustritte landen Woche für Woche, manchmal Tag für Tag, auf meinem Schreibtisch. Die Krisenthemen werden institutionell beraten beim „Synodalen Weg“. Viele neue Konzepte für die Seelsorge kommen auf den Markt für die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Fülle dieser Papiere erschlägt mich zusätzlich. Nicht zuletzt wird nach und nach mühsam erkannt und zugegeben, dass es systembedingten Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester gegeben hat. Bischöfe, die diese Fälle nicht richtig bearbeitet haben, bieten dem Papst ihren Rücktritt an.

Was nun? Zum zweiten Mal werden wir unter den Bedingungen der Corona-Pandemie Ostern feiern. Wir feiern die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Sie ist die Antwort der Heiligen Schrift auf die existentielle Krise des Leidens und des Todes. Sie ist der Grund, warum es meine Glaubensgemeinschaft überhaupt gibt. Die Kirche hat den Auftrag „Auferstehung“ zu leben und zu verkünden.

Die Krise meiner katholischen Kirche ist das glatte Gegenteil von „Auferstehung“. Das römische Lehramt bleibt wie es ist: Seit über 50 Jahren keine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral; seit den 90er Jahren erzwungener Stopp aller Diskussionen um die Zulassung von Frauen zum Weiheamt; trotz des Versagens der Hierarchie behalten die Kleriker ihre absolute Vormachtstellung im Gefüge der Gemeinschaft; die Opfer und Betroffenen der Missbrauchsfälle müssen immer noch darum kämpfen, dass es unabhängige Untersuchungen gibt.

Auferstehung in ein neues Miteinander und Zueinander sähe anders aus. Aber darüber wird ja beim „Synodalen Weg“ beraten und hoffentlich eine echte Reform beschlossen.

Trotz alledem erlebe ich Auferstehung. Wie? Wenn es ans Sterben geht und Hoffnung auf ewiges Leben geteilt wird. Wenn ein Gespräch unerwartet in die Tiefe eines Menschen geht und dort dieser Mitmensch erkennt: Es gibt noch ein anderes, neues Leben für mich. Wenn ein Sakrament der Kirche, also ein heiliges Zeichen, als Berührung Jesu empfunden wird, als ein Augenblick, der einem Menschen den kurzen Blick in eine neue Welt eröffnet.

War Ostern, war die Auferstehung Jesu nicht die Erfahrung einiger seiner Zeitzeugen, dass die absolute Krise des Karfreitags und die Totenruhe des Karsamstags befreit wurde durch den auferstandenen Geist Jesu, der unter ihnen neu wirkte? Ist Ostern nicht die Erfahrung, dass der Untergang Jesu nicht das Letzte war? Ist Ostern nicht die Erfahrung, dass das Teilen des Brotes im Namen Jesu eine neue Dynamik des Mitteilens von Zuversicht und Hoffnung in sich birgt?

Ostern sei die Motivation, in einer Krise neues mitmenschliches, ja geschwisterliches Leben auferstehen zu lassen  –  nicht zuletzt in meiner Kirche.

Georg Schröder, Dechant im Dekanat Hochsauerland-Mitte

 

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