Kraft und Mut für die Alltagssorgen

27. Februar 2021
Meschede
Wort zum Sonntag

Zum 2. Fastensonntag gehört in der Liturgie der katholischen Kirche das Evangelium von der Verklärung Jesu auf einem hohen Berg, in diesem Jahr so wie es uns der Evangelist Markus überliefert hat (Mk 9,2-10). Im Heiligen Land wird mit dieser Textstelle der Berg Tabor am Ostrand der Jesreelebene in Galiläa im Norden Israels verbunden. Der 588 Meter hohe Berg ragt markant aus der Landschaft hervor und war bereits eine berühmte vorchristliche Kultstätte der Antike.

Die Verklärung dort ist das Gegenstück zur vorausgegangenen Leidensweissagung Jesu: Er ist der Menschensohn, der leiden, sterben und auferstehen wird. Und diese Auferstehung, eine Vorahnung dieses Osterlichtes leuchtet bei der Verklärung Jesu auf dem Berg auf. Eine Stimme vom Himmel offenbart ihn als Gottes geliebten Sohn, “auf ihn sollt ihr hören”, heißt es.

Die vergangenen Vorfrühlingstage mit dem wärmenden Sonnenschein lassen uns ein wenig von diesem göttlichen Licht erahnen und erspüren. Wir merken, wie wir vom Licht, von der Wärme abhängig sind, wie sie nicht nur unser äußeres Leben, sondern auch die innere Befindlichkeit erhellen, stärken und ihr eine neue Richtung geben.

Wir erleben in diesen Tagen, Wochen und Monaten viele Anforderungen, Diskussionen und unterschiedliche Beurteilungen der großen gesundheitlichen und gesellschaftlichen, der politischen und auch kirchlichen Themen dieser Zeit. Ebenso bewegt manch einer und einem im persönlichen und privaten Bereich Sorgen und Nöte durch Krankheit, zwischenmenschlichen und wirtschaftlichen Problemen oder in anderer Hinsicht. Der Blick auf den vorösterlichen Jesus, sein Licht und seine Nähe lösen nicht einfach all diese Probleme und Sorgen, das wäre naiv zu meinen. Aber er gibt uns doch die Kraft und den Mut, sich gestärkt unseren Alltagssorgen zu stellen. Auf Jesus zu hören, auf ihn seine Hoffnung zu setzen, sich an ihm auszurichten, kann unseren Horizont weiten. Wie der Blick vom Berg Tabor in Israel oder von einem der vielen schönen Aussichtspunkte unserer Heimat können wir mit seinem Wort, seiner Nähe wieder ins “Tal der Alltagssorgen” gehen und sie bewältigen, so wie es Peter Gerloff in seinem Liedtext formuliert:

 

Herr, nimm auch uns zum Tabor mit,
um uns dein Licht zu zeigen!
Lass unsre Hoffnung Schritt um Schritt
mit dir zu Gott aufsteigen.
Du wirst auch uns verklären,
Herr der Herren.

 

 Lass leuchten deine Herrlichkeit,
von der die Seher künden!
Mach uns für Gottes Reich bereit,
wo alle Mühen münden.
Du wirst auch uns verklären,
Herr der Herren.

 

 Dann geh mit uns vom Berg hinab
ins Tal der Alltagssorgen
und sei uns Weg und Wanderstab
durchs Kreuz zum Ostermorgen.
Du wirst auch uns verklären,
Herr der Herren.

 

Im Gebet verbunden,
Ihr

Michael Schmitt, Meschede, Pfarrer im Pastoralverbund Meschede-Bestwig

 

 

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