Die Fastenzeit bunt gestalten

20. Februar 2021
Bad Fredeburg
Wort zum Sonntag

Welche Farbe hat die Fastenzeit – für Sie? Ist es das Aschgrau, weil am Aschermittwoch das Kreuz in dieser Farbe auf die Stirn gezeichnet wird? Ist es violett, die liturgische Farbe der Messgewänder, die als Farbe der Buße gilt? Keine von beiden? Trotzdem würde ich wetten, dass die meisten Menschen mit der Fastenzeit eine dunkle, schwere Farbe verbinden.

Umso erstaunlicher eigentlich, dass in den katholischen Gottesdiensten am ersten Fastensonntag als erster Text aus der Bibel vom bunten Regenbogen erzählt wird. Er ist ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Ein Versprechen Gottes, nie wieder durch eine Sintflut (fast) alles Leben auf der Erde zu vernichten – so die Bibelstelle (Gen / 1 Mose 9,8-15). Darin allerdings nur eine Art „Waffenstillstand“ zu sehen, wäre aber eine sehr ängstliche Betrachtungsweise. Der bunte Regenbogen erinnert uns an die Liebe Gottes zu uns Menschen. Er schlägt einen Halbkreis, von der Erde hoch in den Himmel und wieder hinunter zur Erde.

An diesen Bund werden wir zu Beginn der Fastenzeit erinnert. Nicht nur das „Gedenke, dass du Staub bist“, nicht nur „Kehr um“ gehört zur Fastenzeit, sondern auch „Mein Bund besteht auf ewig“. Diese Zusage Gottes gibt uns einerseits Zuversicht und fordert uns andererseits heraus, auch von unserer Seite her diesen Bund zu erneuern. Jede Verbindung intensiviert sich vor allem dadurch, dass man mehr Zeit miteinander verbringt. Das gilt auch für unsere Gottesbeziehung. Diese zeigt sich zum einen im Gebet. Sie zeigt sich aber auch in der Liebe und Zuwendung zum Mitmenschen. Denn manchmal läuft es auch im zwischenmenschlichen Bereich so: Da hat jemand ein Projekt, für das er/sie sich mit aller Kraft einsetzt. Und es gibt Menschen, die ihn/sie lieben und aus diesem Grund setzen sie sich auch für diese Sache ein. Wenn wir uns also für die „Sache“ Gottes einsetzen, erneuern wir den Bund mit ihm. Das kann auch in der Sorge um und für uns selbst sein.

Man kann sagen: Schon fast traditionell nehmen sich viele Christen für die Fastenzeit etwas vor, was sie die ganzen 40 Tage durchhalten wollen, meist durch einen Verzicht auf etwas und das verdient natürlich auch Respekt. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass man seine Vorsätze auch bunt wie den Regenbogen gestalten kann, indem man sich z.B. für jede Woche der Fastenzeit etwas anderes vornimmt, was man tun oder lassen möchte. Die erste Lesung dieses Sonntags lädt uns daher auch ein wenig dazu ein, es auch in der Fastenzeit (für die Sache Gottes) bunt zu treiben.

Einen guten Sonntag und eine bunte Fastenzeit wünscht ihnen

Ullrich Birkner, Bad Fredeburg, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg- Eslohe

 

 

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