Wort zum Sonntag

Stellen Sie sich vor: Jesus steht vor der Tür

Stephanie Kaiser
© St. Kaiser

Stellen Sie sich vor, Jesus steht vor Ihrer Tür? Was tun Sie? Alles perfekt herrichten und ihn bestens umsorgen? Oder einfach nur die vielleicht einmalige Chance nutzen, die sich Ihnen bietet und ihm zuhören, wenn er von Gott erzählt? Wie wäre Ihre Reaktion?

Im Sonntagsevangelium stehen Maria und Marta vor genau dieser Entscheidung. Die eine, Marta, nimmt Jesus in ihrem Haus auf. Sie wählt die Mühe, die Arbeit und Fürsorge um Jesus. Maria, ihre Schwester, macht es ganz anders. Sie setzt sich zu Jesu Füßen, sie saugt all seine Worte in sich auf, sie nutzt diese besondere Chance, die sich ihr bietet, Jesus ganz nahe zu sein.

Ich wäre wahrscheinlich eher wie Marta, würde mir Mühe geben und alles gut machen wollen. Ich würde mich mit Sicherheit auch noch aufregen, wenn Jesus mir sagt „Maria hat die richtige Entscheidung getroffen“. So geht die biblische Erzählung nämlich weiter. Jesus macht Marta, und so auch mir deutlich, wichtig sind jetzt nicht die Sorge, Mühe und Arbeit, sondern allein das Wort.

Später dann, nachdem Jesus weiter nach Jerusalem gezogen ist, dort verurteilt, gekreuzigt und begraben wird, würde ich die Tragweite meiner Entscheidung allerdings erst so richtig erkennen. Ich habe die letzte Möglichkeit verpasst, meinem Freund, meiner Hoffnung Jesus Christus, nahe zu sein, seine Gegenwart zu spüren, mit ihm zu sprechen.

Manchmal wird einem die Bedeutung eines besonderen Momentes erst später klar, das letzte Gespräch mit einem lieben Menschen vor seinem (unvorhergesehenen) Tod, die zufällige Begegnung mit der „großen Liebe“ oder das lebenslustige Lachen eines Kindes an einem Sommertag. Jagen oder festhalten kann man ihn nicht, den bedeutungsvollen und manchmal einmaligen Moment, nur versuchen, sich richtig zu entscheiden, mit mehr Gelassenheit in die Sommerzeit zu gehen oder der Begegnung mit Gott eine Chance zu geben: im Lachen eines Kindes, in der Sommerkirche vielleicht oder in der persönlichen Begegnung mit einem Menschen, der einem am Herzen liegt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer mit einem Moment, den Sie in guter Erinnerung behalten.

Stephanie Kaiser, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Meschede-Bestwig