Wort zum Sonntag

Immer wieder Mut zur Umkehr und zum Neubeginn haben

Pastor Ludger Vornholz

14. Juni 2020: Ausflüge zählen zu den Highlights der Jugendarbeit. Gerade in diesen Tagen, an denen der Virus alle Planungen zunichtemacht, tauchen in meinen Gedanken die Erlebnisse vergangener Tage auf. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Messdienerfahrt, auf der eine längere Wanderung durch die Wälder vorgesehen war. Das Ziel sollte ein Kloster sein, in dem wir dann die Hl. Messe feiern und Rast machen wollten.

Der Weg sah auf der Karte gar nicht weit aus. So gingen wir frohen Mutes los. Als wir an eine Wegkreuzung kamen, stellten wir fest, dass genau an dieser Stelle die Karte ein Loch bekommen hatte. Durch den ständigen Gebrauch war ein Stück der Karte verloren gegangen. GPS oder Handy gab es damals noch nicht. So kam nach anfänglichem Gelächter die Sorge auf, dass wir uns verlaufen könnten. Wir diskutierten lange und jeder gab sein Wissen über die Möglichkeit, sich in der freien Natur zu orientieren, preis. So versuchten wir, mehrere Wege der Kreuzung auszuprobieren. Oft kehrten wir nach langem Marsch um, weil wir feststellten, dass der Weg uns in die falsche Richtung führte. Versuch und Irrtum, Diskussion und mutige Entscheidungen führten schließlich dazu, dass wir den richtigen Weg fanden und ans Ziel gelangten.

Orientierungslos kann man sich in diesen Tagen auch vorkommen. Viele verschiedene Richtungen und Anweisungen werden gegeben und viele Wege stellen sich im Nachhinein als falsch heraus. Wir sind oft wie „Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Jesus kannte diese Situation auch. Angesichts der Not vieler Menschen hat er Menschen um sich gesammelt, die mit ihm zusammen selbstlos für das Heil der Menschen arbeiten sollten. Das Wort „Heil“ bezeichnet ein geglücktes und erfülltes Leben. Ein Leben in Gemeinschaft mit Gott. Um dieses Ziel zu erreichen, beruft er Menschen, die durch Gottes- und Nächstenliebe die Liebe Gottes zu den Menschen erfahrbar machen. Auf diesem Weg gibt es auch Lücken, wie in der Wanderkarte. Man weiß nicht immer, welcher Weg der Richtige ist. Durch Versuch und Irrtum, durch respektvolles miteinander Ringen kann das Ziel -Leben in und mit Gott- erreicht werden.

Eine solche Vorgehensweise braucht den Mut, auf die Meinung des anderen zu hören und auch Irrwege zu riskieren. Es braucht den Mut, immer wieder umzukehren und neu zu beginnen.  Es braucht den Mut, den Weg als Kirche und Gesellschaft „synodalisch“ zu gehen. Beten wir um diesen Mut zu unserem Hirten Jesus Christus, denn es scheint so, dass wir als Kirche lernen müssen, neue Wege zu gehen.

Ludger Vornholz, Eslohe, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe