Wort zum Sonntag

“Ich bin da”

Pater Guido Hügen OSB

19. April 2020: Seit einer Woche feiern wir nun Ostern – liturgisch „wie einen einzigen Tag.“ Seit einer Woche erklingen die österlichen Gesänge, erklingt das HALLELUJA. Bei uns in der Abtei, in vielen Familien. Doch wie es ein anderes Ostern ist als wir es sonst feiern, erscheinen mir die österlichen Lieder weniger freudvoll, weniger kraftvoll, weniger erlöst. So vieles begegnet uns ja auch im Moment als „unerlöst“, ja beängstigend, einengend.

Vielleicht ist es in diesem Jahr noch wichtiger als sonst, dass wir 50 Tage lang Ostern feiern – bis Pfingsten. Da hat das Erlöste, hat die Freude noch Zeit, ganz langsam in uns zu wachsen. So wie es draußen langsam Frühling wird, unser Alltag hoffentlich bald wieder „befreiter“, die Stille wieder belebt und lebendig wird – bei Ihnen hier und bei uns auf dem Klosterberg.

Wir müssen es wohl neu lernen,
das HALLELUJA aus tiefstem Herzen,
das HALLEL Israels als Lied der Befreiung.

Das mag uns eine Chance sein, dass der österliche Glaube noch viel tiefer in uns verwurzelt wird, dass wir durch und durch österliche Menschen werden! Menschen, über deren Leben die Zuversicht steht, dass Gott mit uns auf dem Weg ist. Auch und gerade in allen schwierigen Zeiten. Die werden dadurch nicht einfacher, Ängste und Sorgen, Unsicherheiten bleiben. Aber auch die eine Sicherheit: „Ich bin der ‚Ich bin da‘!“ (Ex 3,14)

Diese Zuversicht, dieses Vertrauen wünsche ich uns. Der Auferstandene sei uns nahe!

P. Guido Hügen OSB , Abtei Königsmünster in Meschede