Wort zum Sonntag

Hoffnung für alle

Dechant Georg Schröder

Manchmal ist es doch zum Verzweifeln  –  da will die Wunde nicht heilen und alle Arznei ist vergebens; da wird die Politik immer mehr hin und her geworfen durch Umfragen, wechselnde Meinungen der Verantwortlichen und mangelndem Änderungswillen des Einzelnen, wenn man an die Klimakrise denkt; da tut sich die katholische Kirche unendlich schwer, echte Reformen anzupacken und nicht nur darüber zu beraten.

Manchmal ist es zum Verzweifeln!

Da sitzt Johannes der Täufer im Gefängnis, weil er den Herrscher Herodes Antipas glasklar darauf hingewiesen hat, dass dieser gegen die geltenden Gebote verstößt. In seiner Verzweiflung schickt er eine Abordnung zu Jesus und lässt ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Bist du der Retter, der Befreier, der Messias unseres Landes?

Und die Antwort Jesu? Sagt Johannes, dass Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören und Armen das Evangelium verkündet wird! (Evangelium am 3. Advent: Matthäus 11,2-11) Mit anderen Worten: Ihr habt allen Grund zu hoffen. Denn der Gott Israels wendet sich ganz entschieden den Hoffenden zu und noch mehr denen, die schon all ihre Hoffnung verloren haben. 

Solch ein Wort Jesu ist für mich guter Grund zu hoffen, dass Wunden einen Menschen nicht ganz und gar niederdrücken müssen; dass die Politik sich nicht verlieren muss in Abgrenzung, Populismus und übervorsichtigem Abwarten; dass die katholische Kirche genug Mut aufbringen wird, sich zu ändern, damit ihre Mitglieder und jeder Mensch erfährt: Hier tut sich was in Richtung einer Herrschaft Gottes, die mit Jesus wirklich angefangen hat  –  eine Herrschaft, für die die Kirche da ist, damit Menschen gut und gerne leben, glauben und immer wieder hoffen können.

Jesus öffnete sich für alle, deren Hoffnung verloren schien. Er gab sich selber für die hoffnungsvolle Herrschaft Gottes. Er gab alles für alle. Seine Worte seien unsere Worte, die zu Taten werden wider alle Hoffnungslosigkeit!

Advent ist Zeit zu hoffen, dass das menschliche Leben auf dieser Erde nicht verloren gehen muss, weil Jesus da war und unter uns anwesend bleibt, wenn wir seinen Worten vertrauen und entsprechend zu handeln versuchen. Selig ist, wer an ihm keinen Anstoß nimmt! (Matthäus 11,6)  Selig ist, wer sich von seinen Worten anstoßen lässt!

Georg Schröder, Dechant im Dekanat Hochsauerland-Mitte