Wort zum Sonntag

“Heute beginnt der Rest deines Lebens…”

Sabine Jasperneite

21. Juni 2020: Diese Zeile aus dem gleichnamigen Lied von Udo Jürgens habe ich das erste Mal gehört, als ich den Film „Ich war noch niemals in New York“ im Kino gesehen habe. Es hat mich sofort gepackt, weil der Text mir so wichtig schien.

In den letzten Tagen und Wochen ist mir dieses Lied immer wieder in den Sinn gekommen. Geht es Ihnen auch so, dass Sie in der letzten Zeit manchmal ins Grübeln gekommen sind? Wann ist denn endlich alles wieder gut? Was ist normal? Wie halte ich die Zeit noch aus, bis es soweit ist? Halte ich es aus? Wird es wieder „normal“? Eine Zeit lang habe ich mich immer wieder mit der Hoffnung auf baldige Normalität über Wasser gehalten.

Aber hilft das langfristig? Mir nicht. Ich habe gemerkt, dass ich, als dann endlich Lockerungen kamen, immer mehr ersehnt habe und nie zufrieden war. Nicht, dass ich die langsame Lockerung nicht absolut richtig und notwendig finde.  Es ist kein Spiel und jede Lockerung birgt auch ihre Risiken. Aber die Sehnsucht nach dem „alten Alltag“ ist nicht an den Verstand geknüpft und immer wieder so massiv da.

Dann habe ich wieder das Lied von Udo Jürgens gehört. Ich hatte es mir inzwischen runtergeladen, weil ich merkte, wie es meine Gedanken positiv beeinflussen kann.

Wenn HEUTE der Rest meines Lebens beginnt und, wie es weiter im Lied heißt, es darauf ankommt, was ICH daraus mache, dann wäre es doch gut, wenn ich mich den vielen kleinen positiven Erlebnissen des Tages zuwende und nicht immer nur auf eine „bessere“ Zeit hoffe.

Gott hat uns dieses Leben geschenkt und er möchte, dass wir uns daran erfreuen, dass wir ein Leben in Fülle haben. Wir haben nur dieses eine Leben. Jede Minute, die wir damit verbringen uns das zu wünschen, was nicht ist und was wir auch nicht beeinflussen können, ist verlorene Zeit unseres Lebens. Das ist mir klar geworden.

Es gibt, das weiß ich aus persönlicher Erfahrung, auch an schlechten Tagen genug Kleinigkeiten, die mir einen Moment der Freude bringen können. Sonnenstrahlen durch die Wolken, Vogelgezwitscher auf dem Balkon, eine nette Geste eines Menschen, ein einfaches Lächeln, eine Tasse Kaffee, und, und, und…

Ich habe mir vorgenommen, da jetzt genauer hinzuschauen. Ich schreibe mir diese Momente sogar auf, damit ich am Abend eines durchwachsenen Tages dankbar sagen kann: Es gab doch viel Schönes, wenn ich genau hinschaue.

Hier noch ein sehr schöner Statusspruch einer Freundin bei WhatsApp, der diese Gedanken zusammenfasst:

Schiebe nicht die Wolken von morgen vor die Sonne von heute.

Ein von schönen Momenten gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen

Sabine Jasperneite, Schmallenberg, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe