Wort zum Sonntag

Gott will im Dunkel wohnen

Monika Winzenick

20. Dezember 2020: In der derzeitigen Pandemie bangen viele Menschen um ihre berufliche Existenz. Wir leiden unter der Maskenpflicht, den Kontaktbeschränkungen, kein Bummel mit Freunden über den Weihnachtsmarkt, es hagelt Absagen über Absagen und die Intensivstationen in den Krankenhäusern stehen vor einer bedenklichen Auslastung der Kapazitäten. Ärzte ringen um das Leben von Menschen. Pläne werden durchkreuzt, der Tod bricht ein ins Leben.

So dunkel wie es jetzt im Winter ist, so dunkel ist unser menschliches Leben geworden. Und dann wollen wir Weihnachten feiern? Ja! Denn Advent ist die „Zeit der Erschütterung“, wie es der Widerstandskämpfer Alfred Delp formuliert hat. Das Kommen Gottes, das wir an Weihnachten feiern, stellt uns vor die existentiellen Fragen unseres Lebens. Warten wir nicht auf Erlösung? Ein bisschen Normalität, ohne Maske, dafür Umarmungen und Kontakte, ein Ende dieser seltsamen Zeit. Advent bedeutet Warten, im Dunkel sein, Hoffen. Und genau in diese Dunkelheit kommt Gott hinein. Im Psalm 18 heißt es „Gott hat das Dunkel als sein Versteck gewählt“, d.h. er ist in unseren Dunkelheiten schon da! Wir können und dürfen das Dunkel zulassen und unsere Not und unser Leid zu Gott hin schreien. Denn Gott ist mitten im Dunkel da. Gott geht alle unsere Wege mit. Er achtet die Nacht. Er tröstet die Nacht nicht einfach weg. Gott verpflastert und übertüncht die Nacht nicht. Gott wohnt im Dunkeln, ist dort zuhause. Auch wenn wir das Gefühl haben, dass wir alleine sind, weil wir Gott nicht sehen. Daher braucht mir die Dunkelheit keine Angst zu machen. Ich kann mit Gott sprechen, der in der Dunkelheit ist. Ich kann die Dunkelheit aushalten, weil ich weiß, Gott ist trotzdem da. Ich kann mich der Nacht geben, weil sie Gottes voll ist.

In einem Kirchenlied heißt es, „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt“. Unsere Nächte sind Gott so kostbar und so wertvoll, dass er als Kind in diese Nacht hineinkommt. Und dann kann ich „an Nächte glauben“, wie es der Dichter Rainer Maria Rilke schreibt. Nächte sind Zeiten und Räume, in denen etwas Neues wachsen kann, weil ein kleines Kind mich anlächelt, mich an die Hand nimmt und wir gemeinsam dem Leben entgegengehen. So wird unsere Nacht zur „heiligen Nacht“, zur Weihnacht. So kann ich weiter auf das Fest der Weihnacht zugehen. Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten 4. Advent.

Monika Winzenick, Schmallenberg, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe