Firmung

Wer sich heute der Jugend zuwendet …

Wer sich heute der Jugend zuwendet, bekommt es sogleich mit einer Buntheit von verschiedenen Lebenslagen und Lebenssituationen zu tun. Die Lebenswelten junger Menschen differenzieren sich immer weiter aus. Die Jugend gibt es nicht (mehr).

Zugleich stehen die, die in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv sind, vor einer neuen Vielfalt und Vielortigkeit der gesamten Seelsorge inmitten tiefgreifender binnenkirchlicher Umstrukturierungen.

Und so stellen sich viele engagierte Christen in unseren Gemeinden die Frage: „Was kann, was muss die Kirche tun, damit sich angesichts rasanter Veränderungen auch in Zukunft junge Menschen in ihr beheimaten?“ Sie stellt sich besonders drängend den Personen, welche sich in der Vorbereitungszeit auf die Spendung des Firmsakramentes Jugendlichen in einer anstrengenden Lebensphase als Wegbegleiter zur Verfügung stellen.

Diese Frage ist bekanntlich nicht leicht zu beantworten. So wurde im Dezember 2009 die „Fachkonferenz Jugend“ des Dekanates Hochsauerland-Mitte im Rahmen einer Dekanatspastoralkonferenz mit Weibischof Hubert Berenbrinker beauftragt, ein neues und gemeinsames Konzept der Firmvorbereitung für das Dekanat zu entwickeln. Dieses neue Firmkonzept ist nun von der Dekanatspastoralkonferenz einstimmig beschlossen worden.

 

Der Begriff „Firmung“ leitet sich vom lateinischen „confirmatio“ her, was mit Stärkung übersetzt werden kann. Firmung meint eine Stärkung des eigenen Glaubens, der eigenen Verwurzelung und der eigenen Überzeugung aus dem christlichen Glauben zu leben. So geht es den Verantwortlichen in den Gemeinden und Pastoralverbünden im Dekanat Hochsauerland-Mitte in der Firmvorbereitung um die „Gabe des Glaubens“, die jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsenenalter neu entdecken (können), um als Christen gesendet und beauftragt zu sein. Die jungen Christen sagen in der Firmfeier JA zu dieser Sendung, zu der der Bischof im Zeichen der Handauflegung beauftragt. Es ist die Sendung zum Apostolat, zum Bezeugen des christlichen Glaubens im eigenen Alltag.

 

Die Firmvorbereitung

Die Firmvorbereitung hat dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie ihre Lebensbedeutsamkeit durch Orientierung an der Lebenswelt und den Lebensfragen der Jugendlichen beweist. Der ehemalige Jugendbischof Franz-Josef Bode hat den Ausgangspunkt aller Formen und Zukunftsüberlegungen der Jugendpastoral in folgenden Grundfragen (junger) Menschen zusammen gefasst:

  • „Wie gelingt mein Selbst? Wie kann ich selbst-fähig werden?
  • Wie gelingen meine Beziehungen? Wie werde ich beziehungs- und wir-fähig?
  • Wie gelingt meine Zukunft? Die Angst vor dem, was in Zukunft auf mich zukommt, prägt heute alle Generationen, wenn auch in unterschiedlicher Weise.
  • Wie sinnvoll ist das eigentlich, lohnt sich das? Das ist oft noch nicht die Frage nach dem Sinn des Ganzen, sondern erst einmal nach der Sinnhaftigkeit für mich selbst.
  • Aber dann auch: Gibt es so etwas wie einen Sinn, der über mich hinausführt, so etwas, das wir Gott nennen?“

Thematisch-inhaltliche Abknüpfungspunkte dafür gibt es viele, nur einige wenige sind hier aufgezählt: Angst vor Ablehnung – Zukunftssorgen – Hoffnung auf Erfolg und sozialen Aufstieg – lieben und geliebt werden – Gruppenzwang – Geltung – Konsum – Selbstwert – Wertigkeiten im Leben – stark und gut sein – das Schöne und Abgründige im Leben – Krankheit, Sterben und Tod – …

Die Firmvorbereitung (der Firmweg) spannt sich zwischen den Aufgaben, Jugendlichen Begleitung auf dem Weg zum eigenständigen erwachsenen Menschen anzubieten, und ihnen religiöse Erfahrungen zu ermöglichen. Der Firmweg geht von der Grundannahme des so genannten mystagischen Ansatzes aus, nach der die Gotteserfahrung in der konkreten Alltagserfahrung des Menschen enthalten ist. Mystagogie heißt Hinführung zum Geheimnis. Geheimnis bedeutet in dem Fall der Mensch, und zwar der Mensch mit seiner Beziehung zu Gott, zu dem der Mensch geführt wird. Ausgangspunkt ist hierbei die Frage: Wo ist Gott in meinem Leben? Und welche Rolle soll er spielen? Knapp formuliert bedeutet das: Im Mittelpunkt der Verkündigung steht der Mensch.

Im Bewusstsein der Bedeutung der Firmung und der gewandelten Situation stellte sich im Verlauf der Erarbeitung des neuen Firmkonzeptes immer dringender die Frage, ob auf die klassenweise Hinführung zur Firmung verzichtet und das Alter für den Firmempfang angehoben werden soll. Weil ein mündiges Glaubenszeugnis immer wichtiger wird, ist die Hinführung zur Firmung an die Schwelle/zu Beginn des Erwachsenenalters besonders angezeigt. Gewiss, der heilige Geist wirkt wann und wie er will. Demnach ist der Empfang des Firmsakramentes zuallererst eine Gabe und ein Geschenk Gottes. Dieses Geschenk kann der junge Mensch annehmen, er darf dazu aber auch „Nein sagen“. Dies entbindet aber die für den Firmweg Verantwortlichen nicht von der Sorge, eine bessere Empfangsbereitschaft, welche dem Wirken des Geistes weniger menschliche Grenzen setzt, ins Auge zu fassen.

Die Dekanatspastoralkonferenz hat sich mittelfristig für die Heraufsetzung  des Firmalters ab 16 Jahren ausgesprochen. Also: Grundsätzlich sollen junge Menschen im 17. Lebensjahr (und darüber) mit der Firmvorbereitung beginnen. Dies soll schrittweise umgesetzt werden. Für die Firmung im Herbst 2011 werden die Jugendlichen des jetzigen 9. Schuljahrs angesprochen und zur Vorbereitung darauf eingeladen – also nur noch ein Jahrgang. Ab dem Jahr 2013 greift dann eine Stichtagsregelung, d. h. wer zu dem Stichtag das 16 Jahre alt ist, kann den Firmweg beginnen.

 

Firmung ab 16

Firmung ab 16 ist eine Herausforderung und eine Chance für die Firmlinge wie für die ganze Glaubensgemeinschaft, die sie auf den Empfang des Sakramentes vorbereitet und sie begleitet.

Die Heraufsetzung des Firmalters von der schulischen Sekundarstufe 1 an die Schwelle zum Erwachsenenalter ermöglicht, den Abschluss der kirchlichen Initiation bewusster zu vollziehen. Wer sich auf den Firmweg begibt, zeigt Interesse und Verantwortung für die Glaubensgemeinschaft der Kirche. Mit diesem Entscheid sollen die jungen Menschen in ihrem Glauben ernst genommen und ihnen wichtige Impulse für das Leben gegeben werden.

Gegenüber Firmung ab 16 sind Ängste und Bedenken verständlich, ist dieser Firmweg doch für viele eine neue Weise der Verkündigung. Dabei wird die Gewohnheit aufgegeben, die Firmung in der 9./10. Klasse zu feiern. Eltern und Firmverantwortliche können sich nicht mehr automatisch auf ein Erwachsenen-Kind-Verhältnis mit seinen klaren Hierarchien abstützen. Auch ist mit Widerstand oder Desinteresse zu rechnen.

Manche Fragen tauchen auf: Sind die jungen Erwachsenen in diesem Alter überhaupt noch erreichbar? Sind sie für eine Glaubensverkündigung zu motivieren? Sind die Erwachsenen fähig, die jungen Erwachsenen als ebenbürtige Partner ernst zu nehmen? Wie lässt sich heute eine religiöse Praxis und christliche Glaubenshaltung einüben? Ist die Pfarrei fähig und bereit zur Umstellung? Haben die Eltern versagt, wenn sich ihr Kind nicht firmen lässt?

Bei der Einführung von Firmung ab 16 muss den Gemeindemitgliedern für diese Fragen und Bedenken Platz eingeräumt werden. Sie sollen aber auch die Chancen erkennen, die mit der Verschiebung des Firmalters gegeben sind. Das Dekanatsteam sowie Mitglieder der „Fachkonferenz Jugendarbeit“ sind gerne bereit, den Verantwortlichen und Interessierten aus Kirchengemeinden das neue Firmkonzept vorzustellen.

 

Die Beheimatung junger Menschen in der Kirche

Gelingen kann dies sicherlich nur in der wertschätzenden Begegnung und Wegbeleitung durch glaubwürdige Personen unterschiedlichen Alters, die stellvertretend für die Gemeindemitglieder mit den Jugendlichen auf dem Firmweg sind und Zeugnis geben von ihrem Glauben. Die Erfahrungen zeigen, dass dies für sie selbst eine Herausforderung ist. Miteinander auf dem Firmweg gehen heißt: Miteinander offen und ehrlich die Vielfalt menschlicher Existenz zu entdecken und miteinander im Glauben zu wachsen. Die Entdeckung des Glaubens darf keine Einbahnstraße sein – Jugendliche können von Erwachsenen vieles lernen, aber auch umgekehrt. Eine gute Firmvorbereitung muss ein Dialog sein, ein Dialog, der für beide Seiten Konsequenzen hat.

Dazu braucht es Menschen, die sich selbst ihrer geheimnishaften Existenz in Beziehung zu Gott bewusst sind und so als Mentoren junge Menschen an ihrem Alltag, ihrem Leben und ihrem Glauben teilhaben lassen.

Solche Menschen sind da – sie müssen allerdings noch gezielter gesucht und dazu befähigt werden, mystagogische Wege gemeinsam mit jungen Menschen zu gehen.