Wort zum Sonntag

Die Welt steht Kopf! – Auch die Kirche.

Regierungskrise, EU-Krise, transatlantische Krise, Nahost-Krise, Krise, Krise, Krise … Offensichtlich steht die Welt derzeit Kopf. Reaktionen darauf sind zunehmend Orientierungs- und Ratlosigkeit, Ohnmachtsgefühle und diffuse Ängste. Und nicht wenige Menschen erwarten in solch einer Situation das Heil von sogenannten „starken Männern“, auch Autokraten genannt. Nicht so sehr Zuversicht, Mut und Optimismus bestimmen derzeit das Lebensgefühl vieler Menschen, sondern eher die „düsteren Aussichten“.

Alles steht Kopf? Natürlich nicht Alles! Aber wahr ist, dass wir in Umbruchzeiten leben. Auch in der Kirche. Darauf hat kürzlich der Priester und Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim Dr. Christian Hennecke in der inspirierenden Auftaktveranstaltung der Vortragsreihe „Bleibt alles anders!? Anregungen zum Querdenken für Pfarrgemeinderäte“ hingewiesen. Seine zuversichtliche Zukunftsperspektive lautet: Es geht nicht zuerst um (auch notwendige) Strukturveränderungen wie große pastorale Räume, Fusionen von Pfarrgemeinden, Einstellung von Verwaltungsleitern usw., sondern um eine umfassende Erneuerung der Kirche. Es geht nicht um kosmetische Korrekturen, sondern um eine Neuausrichtung, die uns, das Volk Gottes, neu sehen lässt. Die erfahrene (Kirchen-)krise ist eine Wachstumskrise. Denn wir Christen werden neu ausgerichtet und umgestaltet auf das, wofür wir als Kirche eigentlich stehen. Ganz in der Linie des II. Vatikanischen Konzils geht es nicht um Selbsterhalt, sondern um einen Aufbruch in die Welt von heute, um „die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“ (Gaudium et Spes 4). Mehr noch: Es geht darum „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen, besonders der Armen und Bedrängten jedweder Art“ zu teilen (Gaudium et Spes 1).

Dort, wo dies geschieht, wird Kirche neu, zeigt sich eine neue, ungewohnte und attraktive Gestalt der Kirche – auch bei uns im Sauerland. Also: Krisen sind nicht nur schrecklich, sondern sind Anlass zu frischem Denken und einer neuen Praxis, die einlädt aktiv zu werden. Dazu braucht es dann und wann einen Perspektivwechsel. Ein Kopfstand kann dabei hilfreich sein.

Michael Kloppenburg

Dekanatsreferent
im Dekanat Hochsauerland-Mitte