Wort zum Sonntag

Die Kleinen ganz groß

Pastor Erik Richter

Einschulung. Viele Kinder mit dem ersten Schultornister auf dem Rücken und der Schultüte in der Hand machen sich –begleitet von Eltern und/oder Großeltern- auf den Weg zur Schule . Das erste Mal betreten sie ein völlig neues Gebäude, erleben zum ersten Mal ein Klassenzimmer, einen Stundenplan und vieles mehr. Viele neue Eindrücke prägen diesen ersten Schultag und nicht nur diesen. Eltern und Lehrer begleiten sie durch diese Tage, ja auch durch das Leben. Die Kinder lernen neue Menschen kennen, denen sie auch im Laufe der Schuljahre auch mehr und mehr vertrauen. Im Gegenzug wird den Kindern auch mehr und mehr zugetraut. Diese Erfahrung ist wunderschön: Jemand traut mir etwas zu.

Dieses Gut ist etwas Kostbares: Meine Lehrerin, mein Lehrer, meine Mutter und mein Vater vertrauen mir. Sie trauen mir zu, dass ich etwas schaffen kann. Mit einem solchem Gefühl kann ich groß werden. Kinder können in einem solchem Gefühl einen regelrechten Wachstumsschub bekommen. Das ist eine große Verantwortung. Darum ist aber auch Lob so wichtig im Alltag der Kinder und nicht nur dort. Eigentlich wachse ich als Erwachsener genauso, wenn mir Menschen, die mir besonders nahe stehen, mal sagen, dass ich etwas gut gemacht habe oder dass es einfach gut ist, dass ich da bin. Auch als Erwachsene können wir an solchen Aussagen wachsen.

Das Gegenteil gibt es aber natürlich auch: jemand zurechtstutzen, der zu viel Aufmerksamkeit und Platz beansprucht. Keine schöne Aufgabe meint man, denn es ist in der Vergangenheit eher mit dem „zurechtstutzen“ gearbeitet worden als mit dem Lob, das wachsen lässt. Und bis heute ist das Problem geblieben. Aber es gehört eben auch dazu, die Grenzen des anderen zu achten und uns selbst aus Respekt zum anderen zurückzunehmen. Jesus selbst hat das getan: zum Beispiel bei den Reichen und Berühmten, die sich die besten Plätze bei einem Festessen sichern wollten. Wir sind als Menschen auf Gemeinschaft angewiesen und können gut zusammen leben, wenn wir die anderen achten und ehren wie uns selbst. So ist auch das eine wichtige Verantwortung, anderen nahezubringen, sich auch mal zurückzunehmen.

Eine positive Einstellung und mehr Großzügigkeit beim Lob, das Wachsen lässt, tut uns allen gut und hilft mit, dass Erwachsene und Kinder wachsen im Positiven. Vertrauen schenken und bestärken ist eine schöne Verantwortung und wird gerade im Loben können besonders fruchtbar. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer tragen diese schöne Verantwortung. Und nicht nur ihnen möchte ich alles Gute wünschen für diese Berufung.

Erik Richter, Wormbach, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe