Wort zum Sonntag

Die Freude am Herrn ist eure Stärke (Neh 8,10)

Pastor Ludger Vornholz

Das Leben ist ein Auf und Ab. Es ist wie Karneval und Fastenzeit: Freud und Leid liegen nah zusammen. Das Wort „Karneval“ weist schon auf diesen Zusammenhang hin: „Karneval“ ist im Deutschen mit „das Fleisch vergeht“ übersetzbar. In der Nacht vor dem großen Fasten der Kirche (=Fastnacht) feiert man noch einmal ausgelassen, bevor die strenge Fastenzeit beginnt. Ebenso mischen sich im Brauchtum dieser Jahreszeit heidnische Riten und Handlungen zur Vertreibung der „bösen Geister“ nach dem langen dunklen Winter. In diesem Brauchtum kommt zum Ausdruck: Leben und Sterben gehören zusammen und der Kampf gegen lebensfeindliche Mächte und Strukturen bestimmen den Alltag der Menschen. Nicht ohne Grund verfallen viele Menschen darum auch der Versuchung, durch Horoskope und esoterische Riten ihr Leben berechenbarer zu machen. Schon das Alte Testament kämpfte gegen die Versuche der Menschen an, das Leben durch Zauberei und Wahrsagerei zu beherrschen. Im Buch Genesis werden z.B. die Sterne als Geschöpfe Gottes bezeichnet. Somit wird deutlich, dass sie dienende Funktion haben: Leuchten, die als Zeichen zur Bestimmung der Festzeiten dienen. Sie werden als Lichter von Gott an das Himmelgewölbe gesetzt und scheiden das Licht von der Finsternis. Auf diese Weise „herrschen“ sie dienend über Tag und Nacht (vgl. Gen1, 14-19). Durch diese Darstellung macht der alttestamentliche Autor dem Leser ganz deutlich:  Sonne, Mond und Sterne sind Geschöpfe und besitzen keinerlei göttliche Macht, sie sind Geschöpfe und nicht Schöpfer.

Das Leben ist unberechenbar und unvorhersehbar und darum ist der Mensch immer in der Versuchung, sich abzusichern. An und für sich eine vernünftige Haltung, es bleibt aber trotz allem immer ein unsicherer Rest im Leben, der nicht mit den Mitteln der Vernunft zu beherrschen ist. Fragen wie z.B.: Bleibt meine Partnerschaft bestehen oder nicht?, Wie wird meine Zukunft aussehen?, Wird meine Krankheit heilen?. An dieser Stelle setzt der Glaube und auch der „Aber-glaube“ ein: Der Glaube sagt: „Ich vertraue Dir Gott“ und der Aberglaube: „Ich glaube Dir Gott, aber nicht so ganz und darum befrage ich die Sterne, die Karten etc…“ Dem Aberglauben setzten die alttestamentlichen Autoren der Genesis die Erfahrung entgegen, dass Gott die Menschen durch alle Höhen und Tiefen begleitet und sich ihr Leben vor dem Horizont der Treue Gottes zu seinem Volk abspielt. Im neuen Testament wird diese Nähe Gottes zu uns Menschen durch die Menschwerdung seines Sohnes unüberbietbar bezeugt. Der Mensch braucht keinen Aberglauben, um sein Leben abzusichern. Menschen dürfen darauf vertrauen, dass sie Gottes Lieblinge sind. Er liebt sie so sehr, dass er in Jesus selbst Mensch geworden ist. Ein solcher vertrauensvoller Glaube an Gott macht stark! Er hilft die Lasten des Lebens zu tragen und ist wie ein angenehm tief in uns befindliches warmes Gefühl der Geborgenheit. Ist nicht ein solcher Glaube des „sich-angenommen–sein-wissen“ ein Grund für die Freude an Gott, unseren Herrn?

Ludger Vornholz, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe