Wort zum Sonntag

Den Sinn des Lebens erfahren!

Georg Schröder

Das Netzwerk „Wege zum Leben. In Südwestfalen“ lädt ein zu vielen Veranstaltungen im Spirituellen Sommer 2019. Ein reichhaltiges Programm ist zusammengestellt worden von vielen Akteuren, die so oder so „spirituell“ sind.

Was ist „Spiritualität“? Immer wieder frage ich mich das  –  und meine, dass ich selber mit meinem katholischen Glauben spirituell lebe  –  in Beziehung zur Welt, zu den Mitmenschen, zu mir selber und zu dem, den wir Gott nennen. Ich suche immer wieder nach guten Begründungen für Spiritualität, denn spirituelle Menschen sind auch solche, die meinen Glauben nicht teilen, die anders leben und andere Fragen stellen als ich.

In dem Buch „Spiritueller Missbrauch in der Katholischen Kirche“ von Doris Wagner habe ich eine Beschreibung für „Spiritualität“ gefunden, die ich teile (Seite 30-31): „Es gibt keine unumstrittene Definition von Spiritualität. (…) Mein Vorschlag lautet: Spiritualität ist Sinnstiftung. Zu ihr gehören jene Bedürfnisse und Fähigkeiten, mit denen wir Sinn finden, schaffen und darstellen können. (…) Dieses Bedürfnis besteht darin, unser Leben, unsere Handlungen und die Dinge, die uns umgeben, als sinnvoll zu erleben. Wir Menschen können gar nicht anders. Wir brauchen unbedingt das Gefühl, dass unser Leben und unsere Handlungen sinnvoll sind. Solange wir das Gefühl haben, dass das, was wir tun, Sinn macht, fällt es uns leicht, motiviert zu bleiben und Kraftreserven zu mobilisieren. Menschen, die von der Sinnhaftigkeit ihres Tuns überzeugt sind, können bisweilen geradezu übermenschliche Kräfte entwickeln oder unvorstellbares Leid ertragen.“

Morgen feiert die Christenheit Pfingsten  –  das Fest des Geistes Gottes, der die Jüngerinnen und Jünger erfüllte und sie erfahren ließ: Das Leiden Jesu, dem wir nachgefolgt sind, war nicht sinnlos, denn seine Art zu leben und zu sterben motiviert uns, in die Welt mit ihrem Leiden und ihren unbeantworteten Fragen zu gehen und mitzuteilen: Das Leiden und die Frage nach dem Tod sind nicht das Letzte, was uns prägen wird. Uns prägt das Leben, immer wieder neues Leben, das uns Jesus vermittelt hat, denn er lebt unter uns und in uns. In Jesus wurde eine übermenschliche Kraft sichtbar: Auferstehung.

Liebe Leserin, lieber Leser! Diese Auferstehung schenkt mir Sinn in aller Sinnlosigkeit und lässt mich hoffen wider alle Hoffnung. Übermenschliche Kraft erahne ich auch in Veranstaltungen des spirituellen Sommers 2019. Das Pfingstfest stifte einem jeden und einer jeden Orte, Zeiten und Handlungen, die den Sinn des je eigenen Lebens erfahren lassen!

Georg Schröder, Dechant