Wort zum Sonntag

Sprache in einem guten Geist

„Hallo, Herr Nachbar.“ Ein warmherziges Lächeln der Nachbarin lädt mich ein, stehen zu bleiben und zu reden. Es geht nicht nur um das Wetter, sondern auch um das, was Sorgen macht. Ein solches Gespräch kann Erleichterung schaffen und ermöglicht mit der Nachbarin in Kontakt zu bleiben.

So fängt eine Beziehung an, die tragen will und Hilfe geben kann. Unsere Nachbarn sind wichtig. Ich habe sie gerne, denn sie grüßen höflich und zeigen mir deutlich, dass sie sich freuen, dass ich da bin. Das warmherzige Lächeln zeigt da schon Offenheit und lädt ein zum Gespräch.

Anders die Sprache, die mir von Anfang an ein schlechtes Etikett anheftet: „ein böser Bube“, „jemand, der mit Messer bewaffnet ist“, „der nur das Schlechte von jemand anderem will“ oder Ähnliches mehr.  Solch eine Sprache, die nur als eine Waffe gebraucht wird für den eigenen Nutzen und andere demütigen will, finde ich nicht nur in der Politik. Auch im Alttäglichen kann Sprache eine schneidende Waffe für mich sein.

Meine Nachbarin spricht nicht zuerst Vorwürfe aus, die nur eine schneidende Waffe sind und keine Gemeinsamkeit ermöglichen, sondern sie sagt mir, was sie sich wünscht, denn hinter den Vorwürfen stehen Wünsche und die können wir ja besser gemeinsam bereden, als das Vorwürfe dem anderen um die Ohren gehauen werden.

Mit meiner Nachbarin lebe ich in einem guten Geist, denn wir verstehen uns. An sie muss ich denken, wenn ich vom Pfingstereignis in der Bibel lese: alle konnten die Apostel in ihrer Sprache verstehen (Apg 2,1-11). Ein warmherziges Lächeln und Verständnis für den anderen ist der Anfang, dass wir in einem guten Geist miteinander leben.

Erik Richter, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe