Wort zum Sonntag

Aus der Traum!

Aus der Traum! – Groß ist die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland. Nach dem Schock am Mittwoch wurde analysiert, diskutiert. Doch all das ändert nichts am Ergebnis: Deutschland ist ausgeschieden, der Weltmeister mit einem Abgang dritter Klasse. Enttäuschung bei den Spielern und den Fans.

Was waren das noch für Zeiten, als Deutschland 2006 ein Sommermärchen feierte oder Deutschland zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg 1954 in Bern die Weltmeisterschaft gewannen. „Fußball ist unser Leben…“ – erinnern Sie sich noch daran? Es ist der Anfang des Liedes der deutschen Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Ein Jahr vorher komponierte Jack White die damals volkstümliche Melodie; die aktuellen Spieler der A-Nationalmannschaft des Deutschen Fußballbundes sangen den Text: „Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt. Wir kämpfen und geben alles, bis dann ein Tor nach dem andern fällt. Ja, einer für alle, alle für einen. Wir halten fest zusammen, und ist der Sieg dann unser, sind Freud’ und Ehr’ für uns alle bestellt.“ Wer das Lied aus „alten Zeiten“ noch kennt, dem fällt die Melodie schnell wieder ein. Seinen Text hören wir in diesen Tagen allerdings mit Wehmut.

Nun ja, Fußball gehört zwar zu unserem Leben, vielleicht auch zu unserer Leidenschaft, aber er ist doch nicht alles im Leben. Das Geschenk des Lebens an sich, die Gesundheit, das sind Dinge, von denen die liturgischen Texte an diesem Sonntag sprechen: Die im Sterben liegende Tochter des Jairus und die seit 12 Jahren an Blutfluss leidende Frau werden uns vor Augen geführt. Menschliche Nöte und Sorgen, von denen jeder von uns im Laufe des Lebens in unterschiedlicher Weise ein „Liedchen singen“ kann. Zusammenhalt, menschliche Anteilnahme, Beistand können uns helfen, diese Schicksalsschläge auszuhalten und anzunehmen. „Ja, einer für alle, alle für einen. Wir halten fest zusammen…“, das sind Erfahrungen, die uns in solchen Situationen Kraft geben.

Der Sonntag, der Tag des Herrn, weitet darüber hinaus unseren Blick. Nicht die Negativerfahrungen unseres Lebens haben das letzte Wort, sondern Gott ist Ursprung und Ziel unseres Lebens. Er ist Grund unserer Hoffnung gerade in den Leiderfahrungen, die zum menschlichen Leben mit dazugehören. „Gott ist unser Leben, denn er regiert die Welt!“, möchte ich den Text von 1974 umdichten, oder besser gesagt erweitern. So erfüllend „König Fußball“ sein kann, so viel Freude er bereitet – und manchmal auch Leid wie in diesen Tagen – letzter Grund unseres Lebens ist er nicht.

„Gott ist unser Leben, denn er regiert die Welt!“ – in diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Ihr
Michael Schmitt, Pfarrer im Pastoralen Raum Meschede-Bestwig