Wort zum Sonntag

Brückenbauen zwischen den Menschen und zwischen Gott und Mensch

Pfarrer Michael Schmitt

Was hat man nicht alles im Laufe seines Priesterlebens schon eingeweiht!? Wohnungen, Häuser, öffentliche Einrichtungen, Rinderstall, Brauerei… Dabei geht es weniger um das Gebäude, als um die Menschen, die darin wohnen, arbeiten, es benutzen. Da der Mensch nach Heil, Glück, Schutz und Erfüllung seines Lebens strebt, ist er segensbedürftig. So bitten wir um den Segen Gottes für ihn und für das, was die Menschen schaffen und was ihnen dient.

So war es auch am vergangenen Montag bei der ökumenischen Einweihung des neuen Teilstücks der Autobahn 46 zwischen Velmede und Nuttlar. Die gut acht Kilometer lange Fahrbahnstrecke mit ihren Brückenwerken wurde für den Verkehr freigegeben. Bei allen berechtigten Diskussionen um solche Eingriffe in die Natur, so befreit es doch die Menschen im Ruhrtal in diesem Bereich von dem in den letzten Jahrzehnten immer unzumutbarer werdenden Verkehr vor Ort. Besonders die 115 Meter hohe Talbrücke bei Nuttlar mit einer Gesamtlänge von 660 Metern ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst.

Bis heute trägt der Papst in Rom den Ehrentitel eines „Pontifex Maximus“, eines obersten Brückenbauers. Nicht weil er ein hervorragender Ingenieur und Baumeister wäre, sondern weil er berufen ist, Brückenbauer zwischen den Menschen und zwischen Gott und Mensch, zwischen Schöpfer und Geschöpf zu sein. Der Titel bezeichnete ursprünglich das oberste Wächteramt des altrömischen Götterkults und ging später über die römischen Kaiser auf den Bischof von Rom, also den Papst, über.

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr – in der katholischen Liturgie der Christkönigs-, in der evangelischen der Toten- oder Ewigkeitssonntag – hat ebenfalls eine solche Brückenfunktion: Er weist hin auf die Vollendung des menschlichen Lebens und der Welt und schafft zugleich den Übergang zur kommenden Adventszeit, deren wesentlicher Aspekt der Wiederkunft Christi  oft bei all dem vorweihnachtlichen Trubel in den Hintergrund gerät.

„Pontifex Maximus“: Nicht nur der Papst, jede und jeder von uns soll Brückenbauer, Brückenbauerin sein in zwischenmenschlicher Hinsicht und in der Verbindung zu Gott. Wir wissen uns dabei getragen von der Verheißung aus dem alttestamentlichen Buch der Sprichwörter: „Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt“ (Spr 16,9). Wie heißt es unter anderem im Gebet zur Einweihung einer Straße: „Herr Jesus Christus, du bist Mensch geworden, um uns den Weg zum Vater zu zeigen. Um unseres Heiles willen bist du selber auf den Straßen dieser Welt gewandert. Segne diese Straße und diese Brücken, die heute dem Verkehr übergeben werden. Die Bauwerke verbinde die Menschen miteinander“.

In diesem Sinne seien wir gute Brückenbauer!

Einen gesegneten Sonntag

Ihr Michael Schmitt, Meschede, Pfarrer im Pastoralverbund Meschede-Bestwig