Wort zum Sonntag

Bleiben die Worte Jesu mehrheitsfähig in der Politik?

Dechant Georg Schröder

In unseren demokratisch gewählten Parlamenten haben inzwischen immer mehr politische Parteien Mandate gewonnen. Eine Regierungskoalition zu bilden wird immer schwieriger. Welche Mehrheit ist handlungsfähig, etwas für ein Land oder eine Stadt nach vorne zu bringen, damit die Probleme der Bevölkerung gelöst werden können? Welche Probleme werden überhaupt benannt in einem Wahlkampf und für wen setzt sich eine Partei ein?

Als Wahlberechtigter habe ich mich gut zu informieren und ein persönliches Urteil zu bilden, wem ich meine Stimme geben werde, wem ich folgen würde in den anstehenden Entscheidungen. Wem gebe ich meine Stimme? Wem folge ich? Diese Fragen stelle ich mir auch in meinem Glaubensleben, das ich nie vom politischen und gesellschaftlichen Leben trennen kann.

Ich habe irgendwann als Jugendlicher den Anspruch Jesu an mich gehört  –  in einem Wort der Bibel, in einem Gottesdienst, in der Gemeinschaft gleichgesinnter junger Leute, die sich begeistern konnten für ein Leben, das mit Jesus gelebt werden wollte. Ich habe auch geguckt, was die Worte Jesu für die Politik bedeuten würden. Es gibt Anhaltspunkte, die mir dann geholfen haben, meine Stimme für den einen oder die andere zu geben. Wer fördert das Miteinander von Generationen und Gruppen und verfällt nicht der Versuchung, Gegensätze aufzubauschen? Wer sieht und fordert den einzelnen Menschen heraus mit seinen Rechten und Pflichten unabhängig von Herkunft, Religion oder Behinderung? Wer tut effektiv etwas für den Frieden weltweit? Wer setzt das Steuergeld so ein, dass es Nutzen bringt für neue Arbeitsfelder und Wertschöpfung?

Dies sind einige Anhaltspunkte, die sich aus den Worten Jesu erschließen: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe! Mensch, was suchst du, was willst du? Selig, die Frieden stiften! Verteilt und vermehrt eure Talente zum Wohle aller!

Wie das umsetzbar ist in der politischen Praxis, das ist politischer Alltag und gehört zur parlamentarischen Auseinandersetzung. Auch kirchenpolitisch sind die Worte Jesu ein Streitpunkt unter den verschiedenen Richtungen innerhalb der Kirche. Wer aber absichtlich und grundsätzlich Worte und Forderungen Jesu mitmenschlicher Natur verneint, zu dessen Gruppe möchte ich nicht gehören. Oder einer Partei, die die allgemeinen Menschenrechte abtut als im Alltag nicht umsetzbar, gebe ich meine Stimme nicht. Ob die Worte Jesu oder die ihnen entsprechenden Menschenrechte mehrheitsfähig bleiben in unseren Parlamenten?

Einen gesegneten Sonntag mit Zeit zum Anhalten und Nachdenken über die Politik in Gesellschaft und Kirche wünscht Ihnen

Georg Schröder, Dechant im Dekanat Hochsauerland-Mitte