Wort zum Sonntag

Auf ein Wort

Bernadette Klens

Das Adjektiv „tolerant“ bedeutet so viel wie duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig. Es ist gewiss nicht leicht im Zusammenleben in unseren Orten und Gemeinden, die Balance zu halten zwischen der Verwurzelung in der eigenen Weltanschauung und Glaubensüberzeugung und der Offenheit für andere Sichtweisen der Lebenseinstellung. Schwierig wird das zudem, wenn durch die eine oder andere Seite Verletzungen passiert sind oder gar Gewalt ausgeübt worden ist, Das gilt für das Privatleben ebenso wie für den öffentlichen gesellschaftlichen Bereich. Die Nachrichtenbilder sind voll davon. Wie viele Kriege im Laufe der Geschichte hatten und haben z. B. einen religiösen Hintergrund. Aber auch das gab es immer wieder: Toleranzedikte, die religiösen Minderheiten Rechte und Schutz sicherten.

Seit immerhin 25 Jahren gibt es bei uns in Deutschland immer zum 3. Advent eine einfache Geste, die sich für Frieden und Toleranz einsetzt. Das Licht einer kleinen Kerze wird weitergereicht … zaubert ein Lächeln hervor, einen freundlichen Blick, ein Verstehen über Grenzen und sorgt so für einen kurzen Moment für Frieden. Es ist die Aktion Friedenslicht aus Betlehem, die in diesem Jahr unter dem Leitgedanken steht: „Frieden braucht Vielfalt – zusammen für eine tolerante Gesellschaft!“ Wenn im Aussendungsgottesdienst in Eslohe am morgigen Sonntag dann das Vaterunser auf Arabisch, das Weihnachtslied einer Afrikanerin auf Englisch und das Lied der Kommunionkinder „Tragt in die Welt nun ein Licht“ auf Deutsch erklingt, dann wird dieser Leitgedanke ganz lebendig: Schön, dass es guter Brauch geworden ist, dass der Esloher Flüchtlingskreis mit der Teilnahme am Friedenslichtgottesdienst seine Adventsfeier beschließt.

Der Apostel Paulus schreibt aus dem Gefängnis an die Gemeinde von Philippi „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren“ (Phil 4, 7) Eine herausfordernde Botschaft in einer manchmal so friedlosen Zeit. Christen und Christinnen mit dem Erkennungszeichen „Toleranz“ benötigen sicher viel Kraft für ihre Umsetzung. Der Schein der Friedenslichtkerzen unterstützt sie dabei.

Einen gesegneten 3. Advent wünscht Ihnen Bernadette Klens, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe